K.T. Steen
Die Prinzen des Winters
Eisfunken (Eisfeuer-Saga 1)
Kurzbewertung
Handlung & Spannung:
Idee & Originalität:
Cover & Aufmachung:
Charaktere & Entwicklung:
Schreibstil & Sprache:
Gesamtbewertung:
Ich habe diese Reihe schon so lange im Auge gehabt und habe mir dann auf der LBM direkt bei der Autorin alle 5 Teile zusammen gekauft. So wusste ich immerhin, dass ich sie heil und nicht von der Post zerstört nach Hause bringen kann. Nun hat es leider doch so lange gedauert bis ich Band 1 lesen konnte und ich bin schon so gespannt auf die nächsten 4 Teile.
Handlung (spoilerfrei)
In einer Welt, die seit langer Zeit im ewigen Winter gefangen ist, lebt das Feuermädchen Eyra mit ihrem Bruder Naran in ärmlichen Verhältnissen. Die Winterelfen herrschen mit kühler Strenge, und ihre Magie drückt die Kräfte der anderen Völker nieder. Als Eyra eine Einladung zur Brautschau der drei Winterprinzen Lazar, Saul und Noah erhält, sieht sie darin eine Chance. Oberflächlich nimmt sie teil, um den Eiskristall zu stehlen, der die Macht der Herrscherfamilie sichert. Doch im Schloss der Winterelfen gerät ihr Plan schnell in Gefahr. Die drei Prinzen sind unterschiedlicher, als sie erwartet hat, und nicht nur einer von ihnen berührt etwas in ihr, das sie lieber nicht spüren würde. Zwischen Intrigen am Hof, magischen Prüfungen und wachsendem Misstrauen muss Eyra entscheiden, wem sie wirklich vertrauen kann.
Tropes
Enemies To Lovers, Fake Dating, Forbidden Love, Court Intrigue, Color Magic, Found Family, Magical Trials, Self-Discovery, Identity Awakening
Charaktere und Entwicklung
Eyra ist eine aufbrausende junge Frau, die mit roter Feuer-Magie gesegnet ist und sich vor allem um ihren kranken Bruder Naran sorgt. Sie stiehlt, gaukelt und kämpft sich durchs Leben, getrieben von Wut auf die Winterelfen. Im Verlauf der Geschichte zeigt sie aber auch andere Seiten. Ihre Fähigkeit, alle drei Farben der Magie zu wirken, macht sie besonders, doch sie hat lange Teile ihrer Vergangenheit verdrängt. Die Entwicklung, wie sie lernt, ihre Kräfte bewusster zu steuern und ihre eigenen Wünsche jenseits von Verantwortung und Rache zu entdecken, fühlt sich dabei glaubwürdig an.
Die drei Prinzen bilden einen starken Kontrast. Lazar wirkt zunächst als das schwarze Schaf, grumpy und abweisend, doch gerade er entwickelt eine interessante Tiefe. Saul unterstützt Eyra bei ihren magischen Übungen und wirkt zugänglicher, während Noah mit seiner freiheitsliebenden blauen Magie eher unkonventionell agiert. Auch Nebenfiguren wie die Fee Fayette, Eyra Ziehschwester, oder der Rebellen-Anführer Ruben bekommen genug Raum, um mehr als bloße Stichwortgeber zu sein. Besonders die Dynamik innerhalb der kleinen Gruppe um Eyra und später am Hof vermittelt das Gefühl einer langsam wachsenden Verbundenheit.
Schreibstil, Worldbuilding usw.
K.T. Steen hat einen angenehmen, flüssigen Stil, der gut lesbar ist, ohne oberflächlich zu wirken. Die Kapitel beginnen häufig mit Auszügen aus fiktiven Schriften und Protokollen, etwa der „Weißen Schriften, Lehre der Farben“. Diese kleinen Einblicke vertiefen das Worldbuilding, ohne den Lesefluss zu stören. Das Buch selbst ist optisch ein Highlight. Das Hardcover mit silberner Prägung auf Vorderseite und Rücken, der farbige Buchschnitt und die durchdachte Gestaltung machen schon beim Anfassen Freude. Über die fünf Bände hinweg ergibt der Schnitt ein stimmiges Gesamtbild von Schnee zu Feuer.
Das Worldbuilding ist reichhaltig. Es gibt verschiedene Elfenarten wie Winterelfen, Waldelfen, Sonnenelfen und Schattenelfen, dazu Feen, Drachenreiter (vermutlich zukünfigt?) und unterschiedliche Magieformen, die an Farben gebunden sind. Rote Magie speist sich aus Leidenschaft und Wut, grüne aus Wachstum und Verbindung, blaue aus Freiheit und Flüchtigkeit. Die Autorin erklärt das nicht alles auf einmal, sondern lässt es organisch durch die Handlung und die Kapitel-Einleitungen einfließen. Der ewige Winter fühlt sich nicht nur als Kulisse an, sondern hat konkrete Auswirkungen auf die Menschen und ihre Seelen.
Meinung (mit Spoilern)
Der Prolog hat mich gleich gepackt. Die Hohepriesterin teilt die Magie des neugeborenen Prinzen auf drei Waisenkinder auf, um einen Fluch auszusprechen, der den ewigen Winter erhalten soll. Rot, Grün und Blau. Drei Prinzen statt einem. Der Eiskristall wird dadurch unbrauchbar und der wahre Thronfolger ist verdammt. Das legt einen starken Grundstein für die gesamte Intrige, die sich daraufhin aufbaut und erst am Ende aufgedeckt wird.
Eyra startet als Straßenkünstlerin und Diebin, die mit ihrem Bruder Naran und der Fee Fayette aufwächst und sich um beide kümmert. Ihre rote Magie ist stark, doch der Winter schwächt sie. Die Einladung zur Brautschau nutzt sie für den Diebstahl des Kristalls, den der Rebell Ruben vom roten Zug forciert. Im Schloss lernt sie die Prinzen kennen. Lazar mit seiner mürrischen Art weckt sofort mein Interesse, während Saul sie bei den magischen Übungen unterstützt und Noah mit Fayette eine lockere Verbindung eingeht. Wobei die Beiden schon auch wirklich süß miteinander sind. Vielleicht ergibt sich daraus ja auch noch mehr.
Besonders spannend wird es, als Eyra den Kristall stiehlt und zu den Rebellen flieht. Ruben war mir leider schon vor all dem sehr unsympathisch ohne, dass ich wirklich begründen konnte, warum – jetzt habe ich aber dann auch selbst erkannt, was mich eben anfangs schon an ihm gestört hat: Sein manipulativer Umgang mit Eyra, vor allem über ihren Bruder, hat einen unangenehmen Beigeschmack. Der Zeitsprung und ihre Flucht zurück in den Palast führen zu offenen Gesprächen, besonders mit Saul. Man erfährt, wie mächtig der Orden geworden ist und dass die Königin Myriel, die ehemalige Hohepriesterin, ihre eigene Agenda verfolgt.
Die Auflösung der letzten Prüfung und die Enthüllung, dass die Brautschau eigentlich dazu dient, den Fluch zu brechen, indem die Auserwählte alle drei Prinzen und umgekehrt in ihr Herz schließt, hat mich nach dem Prolog und der Entwicklung über das Buch hin weg, dann wenig überrascht. Der magische Treueschwur durch den Kuss, der sie zu einer Familie macht und die Lebensspanne angleicht, bringt eine schöne emotionale Ebene hinein. Eyra, die nie wirklich einen festen Ort zum Dazugehören hatte, findet hier etwas, das über reine Romantik hinausgeht.
Die Konfrontation mit der Königin, die Flucht und der offene Schluss mit dem Plan, Lazar zu befreien und weitere magische Kristalle zu suchen, machen Lust auf die Fortsetzung. Ich hoffe sehr, dass Eyra die richtigen Entscheidungen trifft und Ruben nicht noch mehr Einfluss gewinnt oder sie sogar zu ihm zurück geht.
Fazit
„Eisfunken“ ist ein sehr guter Auftakt einer High-Fantasy-Reihe mit starker romantischer Komponente. Das Worldbuilding überzeugt durch seine Farben-Magie und die gut durchdachten Hofintrigen. Die Charaktere entwickeln sich spürbar, und die Mischung aus Action, Magie und Beziehungen funktioniert. Nach diesem Band freue ich mich auf die weiteren Teile der Eisfeuer-Saga und bin gespannt, wie sich die Fäden um den Fluch, die Prinzen und Eyra weiterentwickeln.