Nadja Schindler
Witch Fire
Sein Blut auf meinen Lippen
(Witch Fire Band 1)
Klappentext:
Varokain, Dämonenfürst des ersten Höllenkreises, ist ein Meister der Zerstörung. Verraten und aus der Hölle vertrieben, landet er in der Menschenwelt – verletzt, machtlos und mit nur einem Wunsch: Rache.
Kathleen, Dämonenjägerin und Hexe, hat geschworen, jede Kreatur der Hölle zu vernichten. Als sie ihrem alten Freund Sam einen Besuch abstatten will, erwartet sie alles, außer einem höhnisch grinsenden Dämon mit Wolfsohren, der ihr Herz in Flammen setzt. Er ist gefährlich. Unberechenbar. Und plötzlich ihre einzige Chance, Sam zu retten.
Je länger Kathleen an Varokains Seite steht, desto deutlicher spürt sie, dass seine wahre Macht nicht in der Magie liegt … sondern darin, wie er ihr Herz gegen jede Vernunft in seine Dunkelheit zieht.
Wird es ihr gelingen, ihm zu widerstehen und Sam zu retten? Oder sind sie am Ende beide verloren?
Kurzbewertung
Handlung & Spannung:
Idee & Originalität:
Cover & Aufmachung:
Charaktere & Entwicklung:
Schreibstil & Sprache:
Gesamtbewertung:
Ich hatte mich beim Bloggeraufruf auf die Dilogie beworben, da ich nicht nur den Klappentext und die Optik überzeugend fand, sondern weil das Gesamtpaket einfach unfassbar gut klang. Und noch besser ist es natürlich, wenn man am Ende nicht enttäuscht wird. Dämonen, Hexen beziehungsweise Wicca, Rache. Das klang nach genau der Art von Fantasy, die ich gerne lese.
Handlung (spoilerfrei)
Varokain, Dämonenfürst des ersten Höllenkreises, wird verraten und in die Menschenwelt vertrieben. Verletzt und geschwächt sucht er nach einem Weg zurück zu seiner Macht und seiner Rache. Kathleen, eine ausgebildete Dämonenjägerin und Hexe, lebt eigentlich ihr Leben in New York und kümmert sich um kleinere übernatürliche Probleme. Als sie ihren besten Freund Sam besuchen will, gerät alles aus den Fugen. Plötzlich steht sie einem gefährlichen Wolfsdämon gegenüber, der nicht nur ihr Leben, sondern auch ihre Überzeugungen auf den Kopf stellt. Was als Rettungsaktion für Sam beginnt, entwickelt sich zu einer Reise zwischen den Welten, bei der alte Feinde auftauchen und Bündnisse geschlossen werden müssen, die niemand wirklich will.
Tropes
Enemies to Lovers, Demons vs. Wicca, Deal with the Devil, Secret Identity, Redeemed Villain, The Sacrificial Protector, Trip to hell, Antihero, He falls harder
Charaktere und Entwicklung
Kathleen ist genau die Sorte Protagonistin, die ich mag. Sie ist taff, beherrscht und weiß, was sie kann. Gleichzeitig spürt man ihre Einsamkeit, die nach dem Verlust ihrer gesamten Familie zurückgeblieben ist. Sie ist nicht perfekt, sie macht Fehler aus Verzweiflung und sie trägt ihre Rache wie einen zweiten Schatten mit sich herum. Ihre Entwicklung im Verlauf des Buches ist spürbar, besonders in den Momenten, in denen sie mit ihren eigenen Prinzipien brechen muss.
Varokain ist der klassische Dämon, den man lieben muss, obwohl man es eigentlich nicht sollte. Sarkastisch, provozierend, gerissen und mit einem Selbstbewusstsein, das fast schon arrogant wirkt. Gleichzeitig merkt man schnell, dass unter der Oberfläche mehr steckt. Er spielt gerne mit Menschen, doch bei Kathleen verändert sich dieses Spiel allmählich. Man wird nie ganz schlau aus ihm, und genau das macht ihn so unterhaltsam.
Sam als dritter im Bunde ist eine tragische Figur. Der zurückhaltende, introvertierte Junge aus der Kleinstadt, der plötzlich in etwas viel Größeres hineingeworfen wird. Durch das Dämonenblut verändert er sich sichtbar, wird mutiger, direkter, aber auch verzweifelter. Seine Gefühle für Kathleen sind seit Jahren vorhanden und werden nun zu einer echten Belastung. Er wirkt manchmal wie das dritte Rad, doch er bleibt sympathisch, auch wenn seine Entscheidungen nicht immer klug sind.
Schreibstil, Worldbuilding usw.
Nadja Schindler schreibt sehr direkt und angenehm flüssig. Der Stil hat einen schönen Flow, ohne je langweilig zu werden. Der unterschwellige sarkastische Humor zieht sich durch das ganze Buch und passt perfekt zu den Figuren, besonders zu Varokain. Es gibt Schimpfwörter, wo sie hingehören und keine künstlichen Umschreibungen. Das Worldbuilding ist gut dosiert. Die Menschenwelt fühlt sich echt an, die Hölle wird durch gezielte Details lebendig, ohne dass man mit endlosen Erklärungen zugeschüttet wird. Man bekommt genug, um sich zurechtzufinden, und der Rest wird durch die Handlung transportiert. Besonders die Wechsel zwischen den Perspektiven funktionieren gut und geben der Geschichte Tiefe.
Meinung (mit Spoilern)
Ich bin ehrlich gesagt positiv überrascht, wie gut mir das Buch schon nach den ersten Prozent gefallen hat. Der sarkastische Humor und die blutrünstigen Momente haben mich sofort gepackt. Varokains Gerissenheit und wie er mit den Menschen spielt, waren für mich ein Highlight. Kathleen ist eine starke Figur, die trotzdem verletzlich bleibt, besonders in ihrer Einsamkeit und ihrem Rachewunsch.
Die Spice-Szenen sind deutlich detaillierter, als ich bei einer 14er-Altersempfehlung erwartet hätte. Ich hätte das Buch eher ab 16 oder sogar 18 eingeordnet, sowohl wegen der Erotik als auch wegen der Brutalität. Aber vielleicht sind 14-Jährige heute einfach robuster als ich damals war und ich weiß auch nicht, wer letztendlich die Entscheidung darüber trifft.
Die Dynamik zwischen Kathleen, Varokain und Sam hat mir sehr gut gefallen. Diese unterschwellige Konkurrenz zwischen den beiden Männern um Kathleen, während sie selbst mehr und mehr zum Dämon hingezogen wird, funktioniert richtig gut. Ihre innere Zerrissenheit ist glaubwürdig beschrieben.
Besonders stark fand ich den Teil in Abyr, also quasi die zweite Hälfte des Buches. Der Kampf gegen Ravor, der ja der Mörder von Kathleens Eltern ist, die Enthüllungen über Varokains Familie, die tote Schwester Vara und die gesamte Story drum herum. Das alles hat richtig gut gepasst. Sams Ausbruch wegen seiner nicht erwiderten Gefühle war traurig, aber nachvollziehbar. Und das Ende mit Kathleens Tod und Varokains egoistischer Entscheidung, ihre Seele an sich zu binden, war ein richtig starker Cliffhanger. Man spürt, wie sehr er sie will, auch wenn er es als Egoismus verkauft – jaaaaa ok, es war schon irgendwie egoistisch, oder? Kathleen selbst hasst ihn dafür und liebt ihn gleichzeitig, was die Spannung für Band 2 enorm hoch hält.
Fazit
„Witch Fire: Sein Blut auf meinen Lippen“ hat mich absolut gut unterhalten und die Mischung aus Action, Humor, Spannung und Romantik funktioniert. Die Charaktere sind lebendig, die Welt stimmig und die Geschichte hat genug Wendungen, um mich bei der Stange zu halten. Ich bin gespannt, wie die Geschichte in Band 2 weitergeht, besonders was aus Sam wird und wie sich die Beziehung zwischen Kathleen und Varokain weiterentwickelt. Für mich eine klare Leseempfehlung innerhalb des Genres.