Horus W. Odenthal
Der schwarze Meister
Der Pfad des Magiers, Band 3
Kurzbewertung
Handlung & Spannung:
Idee & Originalität:
Cover & Aufmachung:
Charaktere & Entwicklung:
Schreibstil & Sprache:
Gesamtbewertung:
Nach dem harten Ende von Band 2 war es klar, dass es ohne zu lange Pause direkt weiter gehen muss. Band 3 ist quasi der Abschluss der Einführungs-Trilogie und die darauf folgenden Bände mit Amara stehen dann für sich selbst. Sollte also jemand nach Band 3 sagen, dass er nicht mehr weiter lesen möchte, wäre es auch ein Zeitpunkt zum Aussteigen, aber wer zur Hölle wäre denn so verrückt? Amara sitzt noch immer tief in der Falle der Nebelfeste und der Krieg drückt von allen Seiten. Der dritte Band der Reihe „Der Pfad des Magiers“ von Horus W. Odenthal markiert einen deutlichen Einschnitt. Die Geschichte verlässt den engen Akademie-Rahmen und öffnet sich stärker in Richtung Flucht und offener Konfrontation.
Handlung (spoilerfrei)
Amara steckt weiterhin in der Nebelfeste fest, die sich unter dem Einfluss des Krieges immer mehr in ein hartes Regime verwandelt hat. Verzweifelt sucht sie nach einem Ausweg und nach Menschen, denen sie vertrauen kann. Ihr Plan zur Flucht nimmt langsam Gestalt an, doch nichts läuft so, wie sie es sich erhofft. Auf dem Weg nach draußen begegnet sie gefährlichen Wesen und Kreaturen, während alte und neue Bedrohungen sie einholen. Die Flucht wird zu einer gefährlichen Reise durch eine Welt, in der nichts mehr sicher ist und in der die Grenzen zwischen Freund und Feind verschwimmen.
Tropes
Chosen One, Magic Academy, Escape from Captivity, Found Family, Harsh Mentor, Moral Grayness, Betrayal, Political Intrigue, Traumatic Backstory, Power at a Cost, Corrupt Institution, Coming of Age in War, Hidden Allies, Monster Encounter
Charaktere und Entwicklung
Amara bleibt mit ihren zwölf Jahren im Mittelpunkt und zeigt eine spürbare Weiterentwicklung. Sie ist nicht mehr nur die unsichere Neue, die geliebt werden möchte. Stattdessen wird sie entschlossener und bereit, schwere Entscheidungen zu treffen. Ihre innere Zerrissenheit bleibt erhalten, doch sie lernt langsam, damit umzugehen und eigene Wege zu gehen.
Arken erweist sich als wichtiger Verbündeter, der schon länger Zweifel an der Akademie hegt. Die Beziehung zu Munai kühlt gefühlt weiter ab (und ehrlich kann ich ihr langsam auch nicht mehr ganz folgen, selbst wenn sie ihre Familie als Grund vorschiebt), während Fienna trotz ihrer Bedenken am Ende doch eine Rolle spielt. Slangi, die Waldläuferin, entwickelt sich zu einer der interessantesten Figuren des Bandes. Ihre Hintergrundgeschichte und ihre Motivation, Amara zu schützen, bringen Tiefe in die Erzählung. Auch Nundrak und andere Begleiter gewinnen an Kontur. Gelion und Malamnor bekommen ebenfalls weitere Facetten, die das Bild der Akademie noch dunkler machen.
Schreibstil, Worldbuilding usw.
Horus W. Odenthal bleibt seinem ausführlichen Stil treu. Es gibt viele Passagen, die sich mit Planung, Gesprächen und inneren Überlegungen beschäftigen. Das Worldbuilding wird durch die Flucht erweitert. Wir erfahren mehr über die Umgebung der Nebelfeste, verschiedene Wesen wie den Grausling oder den Müller, und die Auswirkungen des Krieges auf die Welt. Die Beschreibungen der Kämpfe und Begegnungen mit Monstern sind anschaulich, teils brutal, aber manche Szenen auch recht lang. Der Unterricht tritt deutlich in den Hintergrund, was die Geschichte stärker auf die Flucht ausrichtet. Insgesamt liest sich der Band flüssig, auch wenn einige Abschnitte etwas länger bei der Vorbereitung verweilen.
Meinung (mit Spoilern)
Band 3 setzt direkt nach dem Ende von Band 2 an und beginnt mit einer ausführlichen Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse. Amara zieht zuerst Arken ins Vertrauen, danach versucht sie es bei Munai und Fienna. Munai bleibt fest in den Lehren der Akademie verankert und will freiwillig in den Krieg ziehen, während Fienna Gewalt ablehnt und ihre Familie schützen möchte. Nundrak lässt sich überzeugen, weil er als halber Elf die Propaganda der Festung von Anfang an skeptisch gesehen hat.
Navander, der Amara lange Nachhilfe gegeben hat, entpuppt sich als Spitzel der Kutten und wird beim Fluchtversuch getötet – und nein, damit habe ich so überhaupt gar nicht gerechnet, weil ich dachte, dass er bestimmt noch einen größeren Teil zu all dem beitragen wird. Nundrak wird schwer verletzt, schlägt sich dafür aber unfassbar tapfer. Slangi, die Amara seit Band 1 ablehnend gegenüberstand, zeigt ihre wahre Seite. Sie hat viel von sich selbst in dem Mädchen gesehen und will nicht, dass Amara denselben hoffnungslosen Weg geht wie sie. Ihre Geschichte mit Dudjim und die gemeinsame Reise bringen schöne Momente in die ansonsten angespannte Handlung.
Die erste Hälfte des Buches empfand ich etwas zäh. Es wird viel geplant und gesprochen, das Schulleben tritt komplett zurück und die unmittelbare Bedrohung, die Band 1 und 2 so stark gemacht hat, fehlt mir ein wenig. Ab etwa sechzig Prozent startet dann endlich die eigentliche Flucht. Fienna schließt sich, zum Glück, da ich sie sehr mag, doch noch an. Die Gruppe gerät in gefährliche Situationen, trifft auf die genannten Wesen und muss sich durchkämpfen.
Der Höhepunkt, in dem Amara Malamnor tötet, indem sie seine eigene Kraft gegen ihn lenkt, war befriedigend, aber im Verhältnis zum Rest irgendwie zu kurz. Das, entschuldigt, miese Arschloch hat es mehr als verdient. Danach sind die Geflohenen größtenteils ihrer Magie beraubt und müssen sich auf das verlassen, was sie noch wissen und können. Das Ende lässt sie ohne klares Ziel weiterziehen und macht neugierig auf Band 4.
Fazit
„Der schwarze Meister“ ist ein Übergangsband, der die Reihe von der Akademie-Geschichte hin zu einer offeneren Reise-Erzählung führt. Er hat starke Momente, besonders bei den Enthüllungen und der Flucht selbst, auch wenn die lange Planungsphase etwas an der Spannung gekostet hat. Amaras Weg wird komplexer und die Welt von NINRAGON öffnet sich weiter. Ich bin weiterhin dabei und gespannt, wohin die Gruppe als Nächstes geht.