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© Drachenmond Verlag GmbH

Liane Mars

Asrai

Die Magie der Drachen
(Band 2 der Dilogie)

Print: Drachenmond Verlag GmbH (2024) | Winterfeld Verlag (2024): Hörbuch Laufzeit ca. 16 Stunden

Gelesen von Lucy Leopold und Vincent Fallow
EAN 4099995711646
Genre: Romantasy-Abenteuer | Altersempfehlung: ab 14

Klappentext:

Epischer Fantasy-Liebesroman trifft auf Drachen und Magie.

Wer ist der Feind? Der Drache an deiner Seite? Oder die Magie in dir?

Elaja besitzt endlich ihren eigenen Drachen, nur ist der ganz anders als erwartet: dominant, kriegerisch und grummelig. Zusätzlich kämpft sie mit der in ihr erwachenden uralten Magie, die entschlossen den Mann töten will, den Elaja liebt. Um ihn zu retten und einen Krieg zu verhindern, muss sie die Asrai in sich besiegen. Ein Wagnis, das die gesamte Drachenwelt erschüttert.

Kurzbewertung

Handlung & Spannung:
immer noch spannend, aber Längen im Mittelteil

Idee & Originalität:
Drachenreiter, Wiedergeburten, Wächter und alte Kriege

Cover & Aufmachung:

Charaktere & Entwicklung:
nachvollziehbare Entwicklungen und Entscheidungen

Schreibstil & Sprache:
gnadenlos atmosphärisch und viel Liebe zum Detail

Gesamtbewertung:

Der zweite Band der Asrai‑Reihe setzt exakt am Cliffhanger des ersten Teils an und bildet gemeinsam mit ihm eine abgeschlossene Dilogie. Zwar existiert ein dritter Band, doch dieser spielt rund 300 Jahre später und wird schon einmal im Epilog angedeutet. Wie schon beim Auftakt habe ich auch diesen Teil als Hörbuch gehört – daher ohne Garantie für die korrekte Schreibweise aller Namen, aber nach bestem Wissen und Gewissen. Band 1 hatte von mir 4,5 Sterne bekommen und mich mit seinem Worldbuilding und der Dynamik zwischen Elaja und Ian wirklich begeistert. Entsprechend gespannt war ich auf die Fortsetzung.

Handlung – spoilerfrei, aber ausführlich

Der Einstieg ist direkt, ohne Atemholen: Wir landen genau in dem Moment, in dem Ian Elaja angreift und das Portal für die blauen Drachen geöffnet hat. Die Bedrohung durch die roten Drachen und Rai ist unmittelbar, und die Autorin verzichtet bewusst auf eine erneute Exposition.

Schon in den ersten Kapiteln wird klar, dass dieser Band stärker auf innere Konflikte setzt. Elaja kämpft mit der erwachenden Asrai‑Magie und der wütenden Asrai in sich, die entschlossen ist, den Mann zu töten, den sie liebt. Gleichzeitig wächst ihr Drache Manila in einem Tempo, das selbst in dieser Welt ungewöhnlich ist. Manila spricht früh, viel und mit einer Direktheit, die der Geschichte immer wieder Leichtigkeit verleiht – und sie besitzt Fähigkeiten, die andere Drachen nicht haben. Sie ist rebellisch, kämpferisch und vor allem irgendwie ein Teenager.

Parallel dazu öffnet sich die politische Ebene weiter: Ian trägt ein Netz aus Lügen, Halbwahrheiten und verschwiegenen Entscheidungen mit sich herum, das sich nun Stück für Stück entwirrt. Seine Herkunft aus Marani, die Verfolgung der blauen Drachen, der Tod seiner Familie, seine Flucht nach Arandor, seine ursprüngliche Absicht, die grünen Drachen in den Krieg zu führen – all das wird in diesem Band endlich greifbar.

Die Handlung bewegt sich zwischen persönlicher Nähe, weltpolitischen Spannungen und der Frage, wie viel Wahrheit eine Beziehung überhaupt tragen kann. Und während die Bedrohung durch Rai wächst, wird immer deutlicher, dass die Vergangenheit der Pfortenwächter weit komplexer ist, als es in Band 1 schien.

Charakterentwicklung

Elaja – Mut, Zweifel und innere Zerrissenheit

Elaja macht in diesem Band eine spürbare Entwicklung durch. Sie wird mutiger, selbstbewusster und übernimmt Verantwortung, die weit über ihre eigenen Wünsche hinausgeht. Gleichzeitig bleibt sie verletzlich und zweifelnd – besonders im Kampf gegen die Asrai in ihr, die sie zu Gewalt und Rache drängen will. Diese innere Spannung ist einer der stärksten Aspekte des Buches: Elaja wächst, aber sie verliert nicht ihre Menschlichkeit und Empathie, selbst wenn es für sie bedeutet erneut als Außenseiterin gebrandmarkt zu sein.

Ian – endlich greifbar

Durch die neue Ich‑Perspektive und eigene Kapitel wird Ian nicht nur verständlicher, sondern emotional zugänglich. Seine Lügen, seine Schuldgefühle, seine widersprüchlichen Entscheidungen – all das ergibt plötzlich Sinn. Er ist kein klassischer Held, sondern jemand, der zwischen Loyalität, Pflicht und persönlicher Moral zerrissen wird. Besonders stark ist die Darstellung seines Konflikts zwischen seiner Herkunft und seiner neuen Heimat Arandor. Er will sein Volk retten, aber er will Arandor nicht zerstören. Er will Elaja schützen, aber er fürchtet, dass die Wahrheit sie zerbrechen würde.

Diese Ambivalenz macht ihn zu einem der interessantesten Figuren des Buches.

Sprecherleistung

Lucy Leopold liest weiterhin ruhig und angenehm, aber ihr Tempo bleibt eher langsam, und ihre Männerstimmen wirken stellenweise wie in dem vorherigen Band auch etwas unnatürlich. Der große Gewinn dieses Bandes ist der zusätzliche Sprecher für Ian. Seine Stimme bringt Tiefe, Wärme und Klarheit in die zweite Perspektive. Die Wechsel zwischen den beiden Erzählinstanzen funktionieren hervorragend und geben dem Hörbuch eine neue Dynamik. Gerade weil Ian in diesem Band so viel innere Last trägt, ist die Entscheidung für einen eigenen Sprecher ein echter Mehrwert.

Schreibstil

Der Stil bleibt bildhaft, emotional und detailreich. Die Autorin nutzt die zweite Ich‑Perspektive sehr bewusst, um politische Hintergründe, alte Konflikte und Ians innere Zerrissenheit auszuleuchten. Die Kapitel aus seiner Sicht sind nicht nur Ergänzung, sondern tragen die Handlung aktiv voran.

Allerdings gibt es einen klaren Kritikpunkt: Die Mitte des Buches ist zu lang. Die Passagen rund um die Flüchtlinge, die Fürstenwahl und die Versorgung der Verletzten sind nachvollziehbar, aber sie bremsen das Tempo deutlich. Hier hätte eine straffere Erzählweise der Spannung gutgetan – vor allem, weil die emotionalen und mythologischen Enthüllungen im letzten Drittel so stark sind und in meinen Augen viel zu kurz abgehandelt werden.

Worldbuilding

Das Worldbuilding ist erneut beeindruckend. Die verschiedenen Welten – Arandor, Marani und die rote Welt, die glaube ich noch keinen eigenen Namen trägt – werden greifbarer, und die Geschichte der Pfortenwächter gewinnt an Tiefe. Besonders gelungen sind die Enthüllungen über Shetai, Asrai und Rai, die das gesamte Gefüge der Drachenwelten neu ordnen. Die Autorin verbindet persönliche Tragödien mit weltpolitischen Konsequenzen, ohne den Überblick zu verlieren.

Fazit

Band 2 ist eine starke, emotional dichte Fortsetzung, die die Dilogie würdig abschließt. Die Charakterentwicklung überzeugt, das Worldbuilding ist beeindruckend, und die zweite Ich‑Perspektive wertet die Geschichte deutlich auf. Einziger echter Schwachpunkt ist die Länge einiger Abschnitte in der Mitte, die den Fluss bremsen und den Fokus etwas verwässern.

Trotzdem bleibt die Dilogie in sich stimmig, atmosphärisch und berührend – und der Epilog öffnet elegant die Tür zu Band 3.

Meinung inkl. Spoiler (Achtung!)

Was mich im letzten Drittel des Buches am meisten beschäftigt hat, war die deutliche Verschiebung des erzählerischen Schwerpunkts. Der Fokus lag plötzlich stark auf den Marani, der Flucht, den politischen Strukturen und den Konsequenzen der jahrhundertelangen Verfolgung. Das ist inhaltlich nachvollziehbar, aber es ging spürbar zulasten von Elajas Ausbildung und ihrer eigenen Entwicklung. Gerade weil ihre Magie und ihr innerer Konflikt so zentral sind, hätte ich mir hier mehr Raum gewünscht. Stattdessen wirkte es, als hätte man irgendwann entschieden, diesen Teil abzukürzen, weil das Ende ohnehin feststand.

Und dieses Ende hat mich emotional komplett erwischt. Elajas Tod ist konsequent, logisch und in der Welt verankert – aber er bricht einem trotzdem das Herz. Es ist dieses bittersüße „Happy End“, das für die Welt funktioniert und auch für die Überlebenden funktioniert, aber für die Figuren selbst ein Verlust bleibt. Ich merke, dass mir diese Art von Abschluss langsam schwerfällt. Es ist schön, dass Frieden herrscht, aber die gebrochenen Herzen bleiben.

Was mich zusätzlich irritiert hat, war die Frage, warum Elaja so schnell stirbt, während einige Marani‑Frauen den Tod ihrer Drachen überlebt haben. Innerhalb der Logik der Reihe ist das nicht völlig widerspruchsfrei. Man kann es sich erklären – etwa damit, dass Elaja stärker gebunden war, dass ihre Verbindung intensiver war oder dass die Asrai‑Energie sie im Moment des Verlusts überrollt hat. Aber ausgesprochen wird das nicht. Und genau deshalb wirkt es wie eine Lücke, die man als Leserin selbst füllen muss.

Ähnlich offen bleibt die Frage, ob die roten Drachenreiter wirklich vorhatten, sich zu ergeben, oder ob das alles eine Falle war, um Rai den Weg zu ebnen. Die Szene lässt beides zu. Die Reue des roten Drachen wirkt echt, aber die politische Ebene dahinter bleibt unklar. Das ist einerseits spannend, andererseits hätte ich mir eine klarere Positionierung gewünscht.

Der Epilog wirft dann noch einmal eine ganz eigene Frage auf: Wenn alle auf Arandor wiedergeboren werden, weil sie dort gestorben sind – warum wurden Shetai und Asrai dann nicht ebenfalls zuvor am gleichen Ort wiedergeboren? Sie haben sich schließlich am selben Ort gegenseitig getötet. Innerhalb der Logik der Reihe wirkt das wie ein Widerspruch. Man kann argumentieren, dass die Regeln der Wiedergeburt sich verändert haben oder weil die Magie der Welten instabil war. Aber das wird nicht erklärt. Es bleibt ein Punkt, der eher wie ein Setup für Band 3 wirkt als wie eine sauber geschlossene Logik.

Trotz dieser offenen Fragen bleibt das Ende emotional stark. Es ist tragisch, aber nicht hoffnungslos. Und es zeigt, wie viel Gewicht die Autorin auf die zyklische Natur dieser Welt legt: Frieden ist möglich, aber er hat einen Preis. Und manchmal ist dieser Preis eine Figur, die man eigentlich nicht verlieren wollte.

 

 

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