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© Lyx

Kim Nina Ocker

Masked by Nightfall

Teil 1 der Reihe "Last Shadows"

LYX (2026) | 688 Seiten 
ISBN: 978-3-7363-2692-7
Genre: Fantasy, Romance | Altersempfehlung: ab 16
Klappentext: Um ihre Familie zu retten, tritt Elodie Havare zur gefürchteten Auslese an – einem Trainingslager, das nur die besten Anwärter überstehen. Danach dienen sie als Schattensoldaten am Bruch. Eine riskante Aufgabe, da an der Grenze zum Reich der gefallenen Götter regelmäßig Menschen verschwinden. Um es so weit zu schaffen, will Elodie unsichtbar bleiben und nicht zur Zielscheibe werden. Doch ausgerechnet Jax Elder, ein ebenso gefährlicher wie faszinierender Anwärter, wird ihr als Partner zugeteilt. Elodie weiß nicht, ob sie Jax vertrauen kann, aber so sehr sie auch versucht, ihn auf Abstand zu halten, wenn sie Hilfe braucht, ist er da. Schließlich kämpfen sie gemeinsam ums Überleben – während zwischen ihnen eine Anziehung wächst, die alles zerstören könnte. Denn Elodie verbirgt ein Geheimnis, von dem niemand erfahren darf …
Transparenzhinweis: Diese Rezension basiert auf einem kostenlos zur Verfügung gestellten Leseexemplar durch netgalley.de

Kurzbewertung

Handlung & Spannung:
es hat mich nicht losgelassen, aber es gab auch ein paar „Längen“ dazwischen

Idee & Originalität:
angefangen von der Ausbildung bis zu den Erben, mega Idee

Cover & Aufmachung:
optisch stark, hochwertig, passend zum Inhalt

Charaktere & Entwicklung:
nachvollziehbar mit Liebe zum Detail und Tiefe

Schreibstil & Sprache:
klar, zugänglich, atmosphärisch

Gesamtbewertung:

Dieses Buch habe ich als digitales Rezensionsexemplar erhalten und ehrlich gesagt schwanke ich noch, ob ich mir zusätzlich die Printausgabe holen werde. Rein optisch reizt es mich, inhaltlich hat es mich aber vor eine ziemlich schwierige Bewertung gestellt.

Denn „Masked by Nightfall“ war für mich keine klare Leseerfahrung, sondern eine echte Berg- und Talfahrt. Es gibt Passagen, die mich komplett gepackt haben, und dann wieder Abschnitte, in denen ich mich gefragt habe, wohin das alles eigentlich führen soll. Bis zum Ende hatte ich kein vollständiges Bild davon, worauf die Geschichte hinausläuft und trotzdem habe ich das Buch nicht aus der Hand gelegt. Im Gegenteil: Ich habe bis spät in die Nacht weitergelesen, weil mich diese Welt und die Figuren irgendwie festgehalten haben.

Handlung (spoilerfrei)

Im Mittelpunkt steht Elodie Havare, die alles riskiert, um ihre Familie finanziell zu unterstützen und ihre kranke Mutter zu retten. In einer Welt, in der sogenannte „Erben“ mit göttlichem Funken verehrt und zugleich kontrolliert werden, bleibt ihr kaum eine andere Wahl, als an der sogenannten Auslese teilzunehmen: Einem gnadenlosen Trainingsprogramm, das entweder in den Tod oder in die Ausbildung zu Schattensoldaten führt.

Gemeinsam mit anderen Anwärtern wird sie in eine abgelegene, gefährliche Ausbildung geschickt, in der es nicht nur um körperliche Stärke, sondern auch um klare politische Macht, Vertrauen und Überleben geht. Jeder Schritt kann über Leben und Tod entscheiden, denn nicht nur die Ausbildung selbst ist brutal, auch die Menschen um sie herum sind potenzielle Gegner.

Elodie versucht, unsichtbar zu bleiben. Keine Aufmerksamkeit bedeutet für sie auch kein Risiko. Doch ausgerechnet Jax Elder, ein ebenso gefährlicher wie faszinierender Mitstreiter, wird ihr als Partner zugeteilt. Zwischen Misstrauen, Nähe und unausgesprochenen Wahrheiten entsteht eine Dynamik, die immer schwerer zu kontrollieren ist.

Während die Ausbildung eskaliert, verschwimmen Loyalitäten, Geheimnisse geraten in Gefahr und Elodie muss sich fragen, wem sie überhaupt noch vertrauen kann und was sie bereit ist zu opfern.

Charaktere & Entwicklung

Elodie ist eine klassische „Ich-will-nur-überleben“-Protagonistin, aber nicht im passiven Sinn. Sie hat Ecken, sie hat Temperament, und sie reagiert oft scharf, wenn sie unter Druck steht. Gleichzeitig ist sie verletzlich, besonders weil sie sich selbst körperlich nicht als kämpferisch erlebt. Ihre Stärke liegt eher im Überleben durch Anpassung, auch wenn genau das im Verlauf immer schwieriger wird.

Was sie besonders interessant macht, ist dieser innere Konflikt: Sie will niemanden in ihre Geheimnisse hineinziehen, aber genau diese Isolation macht sie angreifbar. Ihre Entscheidungen wirken nicht leichtfertig, sondern eher wie Notlösungen in einem System, das ihr keine echten Optionen lässt, wenn sie nicht alles verlieren will.

Jax ist ihr Gegenpol – charismatisch, kontrolliert, kampferfahren und gleichzeitig emotional schwer greifbar. Er wirkt oft arrogant. Gerade seine Loyalität und sein Beschützerinstinkt machen ihn vielschichtiger, als er auf den ersten Blick scheint. Die Dynamik zwischen ihm und Elodie trägt große Teile der Geschichte, auch wenn sie manchmal stärker funktioniert als die eigentliche Plotstruktur.

Die Nebenfiguren rund um das Trainingslager bleiben teilweise skizzenhaft, erfüllen aber klar ihre Funktion im System der Welt: Misstrauen, Konkurrenz und ständige Unsicherheit. Es wird nach und nach ein kleines Netz aus Freunden wie Brianna und Flynn aufgebaut, die alle ihre Ecken, Kanten und ihre Vorgeschichte bekommen, auch wenn ich bei Brianna und Jax irgendwie immer noch nicht verstanden habe, wie sie zueinander stehen und woher genau sie sich kennen, weil es dazu mehrere Versionen gibt.

Schreibstil & Worldbuilding

Der Schreibstil ist sehr zugänglich und stark auf Tempo und Atmosphäre ausgelegt. Besonders gut funktioniert die emotionale Nähe zur Protagonistin. Man ist konsequent in ihrer Perspektive und erlebt ihre Unsicherheit, ihre Entscheidungen und ihre Überforderung direkt mit.

Das Worldbuilding hat interessante Ansätze: der göttliche Funke, die gesellschaftliche Ordnung zwischen Erben und Sterblichen, die politische Kontrolle über weibliche Erben. All das hat viel Potenzial und eine klare dystopisch-fantastische Grundlage.

Gleichzeitig bleibt vieles erstaunlich vage oder wird nur häppchenweise erklärt. Das kann Spannung erzeugen, führt aber auch dazu, dass man lange das Gefühl hat, nur Fragmente zu verstehen. Einige Regeln dieser Welt wirken noch nicht vollständig greifbar, was den Einstieg unnötig erschwert. Vor allem reden wir auch nicht von einem Buch mit 300 Seiten, sondern dem doppelten an Informationen, was auf den Leser zukommt.

Die Struktur mit Rückblenden, Dokumenten und Einschüben ist grundsätzlich ein starkes Stilmittel und sorgt für Abwechslung.

Meinung (mit Spoilern)

Es gibt eine Sache an diesem Buch, bei dem ich sagen muss, dass ich mich auch wegen der Bewertung nicht entscheiden konnte: Ich verstehe viele Entscheidungen, aber ich sehe noch kein klares Gesamtbild. Geht es jetzt um die Gefahr durch die Krone für Elodie. Spielt alles rund um den Bruch die größere Rolle. Oder sind es die Rebellen und desertieren Soldaten, die die eigentliche Gefahr ausmachen? Oder geht es wirklich einzig und allein um die Ausbildung?

Die Enthüllung rund um Elodies wahre Herkunft – insbesondere ihre Verbindung zu den Erben – ist ein starkes Element, aber sie wird so lange angedeutet, dass die Spannung teilweise in Frustration kippt. Dass ihre Familie sie offenbar versteckt hat, weil sie eine Gefahr für das System darstellt, ist spannend, aber trotz allem frage ich mich: Ihre Eltern haben alles riskiert, sind weggezogen, um sie zu schützen und schaffen es in knapp vier Monaten nicht wenigstens einen Brief zu schreiben? Also hier hoffe ich doch irgendwie auf eine Information in Band 2.

Der Arc rund um Legion funktioniert als Antagonistenhandlung gut: Er ist brutal, manipulativ und nutzt Wissen als Waffe. Seine Erpressung und die Folter der Anwärterin setzen klare Eskalationspunkte. Sein Tod durch Elodie ist ein konsequenter Bruch, emotional eher kalt, aber erzählerisch nachvollziehbar. Und irgendwie danach völlig bedeutungslos.

Sehr stark ist dagegen die Hintergrundgeschichte um Ezra. Diese Rückblende erklärt nicht nur Elodies Trauma, sondern auch ihre Angst vor Nähe und Vertrauen. Der Moment, in dem aus einem jugendlichen Versuch von Nähe Gewalt entsteht, ist hart, aber wichtig für ihr Verhalten im gesamten Buch.

Die Beziehung zwischen Elodie und Jax trägt die Geschichte emotional fast allein. Besonders der Moment, in dem sie ihn bewusst auf Abstand hält, obwohl sie ihn braucht, ist gut geschrieben und glaubwürdig aufgebaut.

Was mich jedoch zurücklässt, ist das Ende: der Übergang zum nächsten Abschnitt der Ausbildung, der Cliffhanger rund um den Bruch und die offenen Fragen zur Krone wirken weniger wie ein sauber gesetzter Spannungsbogen und mehr wie ein abruptes Stoppen mitten im Aufbau. Das kann funktionieren – wenn Band zwei direkt liefert. Alleinstehend fühlt es sich noch unvollständig an.

Fazit

„Masked by Nightfall“ ist kein leicht zu bewertender Reihenauftakt. Es ist ein Buch, das extrem viel Atmosphäre und emotionale Spannung erzeugt, dabei aber gleichzeitig strukturell und inhaltlich für mich einige Schwächen hatte. Die Figuren tragen die Geschichte stärker als die Welt selbst, und genau das macht mich so zwiespältig.

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