Nils Müther
Kaland
Die Plage von Tramel
Frieselgarf erwacht in einer Höhle mitten in Kaland – allein und ohne Gedächtnis. Auf der Suche nach seiner Vergangenheit begegnet er der verfressenen Bramm und dem chaotischen Galgo. Er lernt, was Freundschaft und Zusammenhalt wirklich bedeuten und wie sehr er seine Gefährten braucht, um in dieser ihm fremden Welt, bevölkert mit Eulefanten, Überdauerdahlien und allerlei anderen sonderbaren Wesen, bestehen zu können.
Denn eine Gefahr droht aus dem Süden: Die Plage streckt ihre gierigen Fühler aus und befällt das Land und seine Bewohner. Mit ihrer unheilvollen Macht erschafft ein finsterer Dumor willenlose Geschöpfe, die alles und jeden zerfleischen wollen.
Nicht ganz freiwillig stellen sich Frieselgarf und seine Freunde dem Bösen entgegen. Doch wie soll jemand das Schicksal der Welt in die Hand nehmen, der nicht einmal weiß, wer er selbst ist?
Kurzbewertung
Handlung & Spannung:
Idee & Originalität:
Cover & Aufmachung:
Charaktere & Entwicklung:
Schreibstil & Sprache:
Gesamtbewertung:
Frieselgarf erwacht in einer Höhle mitten in Kaland, allein und ohne jede Erinnerung an sein früheres Leben. Er besitzt Hörner und Schuppen, und er stellt schnell fest, dass er in einer Welt gelandet ist, in der Menschen im üblichen Sinne offenbar keine Rolle spielen. Auf der Suche nach seiner Vergangenheit begegnet er der Grollerin Bramm und später dem chaotischen Retzen Galgo. Gemeinsam müssen die drei sich einer Bedrohung stellen, die aus dem Süden heraufzieht: der Plage, die das Land und seine Bewohner erfasst und durch die finstere Magie der Dumoren willenlose Geschöpfe erschafft. Nils Müthers Debütroman „Kaland – Der Fluch von Tramel“ entfaltet dabei eine Geschichte, die von Freundschaft, Zusammenhalt und der Frage lebt, wie jemand das Schicksal einer Welt in die Hand nehmen soll, der nicht einmal weiß, wer er selbst ist.
Handlung
Die Handlung beginnt mit dem Erwachen des namenlosen Wesens in einer unverschlossenen Zelle. Es kennt weder seinen Namen noch seine Herkunft und orientiert sich zunächst nur an den unmittelbaren Eindrücken seiner neuen Umgebung. Die Grollerin Bramm, die von ihm gerettet wird, gibt ihm den Namen Frieselgarf, abgeleitet von einem Ort, dessen Bewohner nur ihren eigenen Namen sprechen. Von nun an begleitet er Bramm, die mit zweiundzwanzig Jahren zur Grollfahrt aufbrechen muss. Diese Reise ist für Groller verpflichtend und soll der Suche nach einer Heilung gegen die Plage dienen. Bramm geht die Sache mit begrenzter Begeisterung an, kümmert sich aber trotzdem um den orientierungslosen Fries, wie er bald genannt wird.
Ihr Weg führt die beiden nach Tramel. Dort findet ein Freudfest statt, das jäh von einem Angriff unterbrochen wird. Bei diesem Zwischenfall retten sie den Retzen Gandelbert Adelius Lorn-Gal Ormelhem von Retzelfing, der fortan nur noch Galgo genannt wird. Der Künstler hängt sich ungefragt an die beiden und bildet mit ihnen eine ungewöhnliche Reisegruppe. Der Angriff geht auf einen Dumor zurück, und nach und nach wird klar, dass die Plage mit der Nekromantie und der Finstermagie dieser Wesen zusammenhängt. Die Dumoren können Geist und Körper anderer beeinflussen und lenken.
Charaktere und Entwicklung
Frieselgarf steht im Zentrum. Sein fehlendes Gedächtnis macht ihn zu einer offenen Figur, die die Welt erst entdecken muss und dem Leser damit viele Informationen vermittelt. Er wirkt planlos, aber nicht hilflos, und entwickelt im Laufe der Geschichte ein wachsendes Gespür für Verantwortung und Zugehörigkeit. Die innere Stimme, die ihn gelegentlich anspricht, deutet auf eine tiefere Schicht seiner Identität hin, ohne dass diese früh preisgegeben wird.
Bramm ist die treibende Kraft der Gruppe. Als Grollerin steht sie unter dem Druck der Grollfahrt. Ihr ausgeprägtes Interesse an Nahrung und den damit verbundenen kulturellen Details macht sie zu einer lebendigen Quelle für das Worldbuilding. Sie übernimmt die praktische Führung und kümmert sich um Fries, ohne dabei zur reinen Betreuerfigur zu werden. Ihre Entwicklung liegt in der allmählichen Annahme der Verantwortung, die ihr auferlegt ist.
Galgo tritt als Künstler und eher chaotischer Charakter hinzu. Sein langer Name und die Abkürzung zu Galgo unterstreichen seine Herkunft und seinen Hang zur Selbstdarstellung. Er bringt Leichtigkeit und Unberechenbarkeit in die Gruppe und dient als Gegenpol zu Bramm und Fries. Die Dynamik zwischen den dreien trägt die Geschichte. Sie sind keine klassischen Helden, sondern Wesen, die sich notgedrungen zusammenraufen und dabei eine Form von Zusammenhalt entwickeln, die über bloße Zweckbündnisse hinausgeht.
Schreibstil, Worldbuilding usw.
Der Roman lebt von seinem dichten Worldbuilding. Von Anfang an wird deutlich, dass die Welt von nichtmenschlichen Wesen bevölkert ist. Es gibt Groller, Retzen, Dumoren und zahlreiche weitere Geschöpfe wie Eulefanten oder Überdauerdahlien. Nahrung, Währung, Handel, Städte und kulturelle Eigenheiten werden ausführlich beschrieben, häufig über Bramm und ihre Vorliebe fürs Essen. Das wirkt organisch und vermeidet reine Informationsüberflutung. Die Karte im Buch unterstützt die Orientierung und macht die Reise nachvollziehbar.
Der Schreibstil ist zugänglich und hält ein gutes Tempo. Dialoge und Beobachtungen wechseln sich ab, sodass die Leser nicht von Erklärungen überfordert werden. Humor entsteht vor allem aus den Eigenheiten der Figuren und den Absurditäten der Welt. Gleichzeitig bleibt die Bedrohung durch die Plage und die Dumoren ernst genug, um Spannung zu erzeugen. Die innere Stimme Frieses und die Begegnung mit dem Drachen am Schwarzen Berg setzen gezielte Akzente, ohne die Erzählung zu überladen.
Tatsächlich finde ich, dass die gesamte Welt sowohl für Jüngere viel bereithält, aber es gibt auch einige augenzwinkernde Momente für älteres Publikum mit Wortspielerein. Vor allem bei den Wesen darf man auch ruhig zwei Mal über die Namen nachdenken.
Meinung (Achtung, ggf. Spoiler)
Die Geschichte nimmt sich Zeit, ihre Welt aufzubauen, und das zahlt sich aus. Die ersten Abschnitte sind voller Details zu Wesen, Nahrung und Gesellschaft, die durch Bramm vermittelt werden. Das wirkt nie trocken, weil es eng an die Handlung und die Figuren gebunden bleibt. Der Angriff beim Freudfest in Tramel markiert einen klaren Wendepunkt. Ab da verdichtet sich die Handlung, und die Suche nach dem Stein der Aufhebung gibt dem Ganzen Richtung.
Der Drache am Schwarzen Berg stellt die Frage nach dem Sinn des Lebens. Die Antwort „Der Tod“ ist knapp und passend. Sie fügt sich in die Atmosphäre der Geschichte und unterstreicht, dass hier keine einfachen Heldenreisen erzählt werden. Mit dem Stein im Besitz scheint die Lösung greifbar, doch die Rückkehr nach Tramel zeigt, dass die Angelegenheit verwickelter ist. Genau das macht den Band spannend und hinterlässt den Wunsch, den zweiten Teil zu lesen. Außerdem will ich auch wissen, was nun da in Frieselgarf los ist – also dem Ort, nicht der Figur. Aber sein Innenleben interessiert mich auch weiterhin.
Die Figuren funktionieren gut zusammen. Fries mit seiner Orientierungslosigkeit, Bramm mit ihrem Pragmatismus und Galgo mit seinem künstlerischen Chaos bilden eine Gruppe, bei der man gerne mitreist. Die innere Stimme bei Fries deutet auf größere Zusammenhänge hin, ohne zu früh alles preiszugeben.
Fazit
„Kaland – Der Fluch von Tramel“ ist ein Debüt, das eine eigenständige Welt mit klaren Regeln und lebendigen Figuren entwirft. Die Liebe steckt in den kleinen Details, den Illustrationen und der Story, die weit aus mehr verspricht als Band 1 bisher erzählt hat. Ich bin wirklich auf so viel gespannt, was da noch kommen wird.
Sehr interessante Rezension, vielen Dank für dieses spannende Feedback!