Karolyn Ciseau
Summer Academy
Die Hüterin des Feuers
(Seasons of Fate Bd. 2)
gesprochen von Laura Diederich
EAN: 4099995443080
Kurzbewertung
Handlung & Spannung:
Idee & Originalität:
Cover & Aufmachung:
Charaktere & Entwicklung:
Schreibstil & Sprache:
Gesamtbewertung:
Mit der Reihe „Seasons of Fate“ hat Karolyn Ciseau vier eigenständige Geschichten um die Jahreszeiten Academys geschaffen. Jede Academy steht für eine „Jahreszeit“ und erzählt von jungen Magierinnen und Magiern, die an ihren Schulen ausgebildet werden, um die Welt vor besonderen Bedrohungen zu schützen. Die Bände lassen sich unabhängig voneinander lesen und greifen doch im gesamten Storybogen ineinander. „Summer Academy. Die Hüterin des Feuers“ führt dabei nach New Orleans an die Sommer Academy und stellt Juniper und Ash in den Mittelpunkt.
Handlung
Juniper besucht die Summer Academy in New Orleans, eine Einrichtung, an der junge Element- und Phöix-Magier ausgebildet werden, um die Welt vor den Widergängern zu schützen. Ash Westwick gilt dort als einer der begabtesten Phönixmagier und gleichzeitig als derjenige, der Juniper seit längerem das Leben erschwert. Als ein Angriff die Academy trifft und die beiden unerwartet zusammenarbeiten müssen, nimmt die Geschichte eine unerwartete Wendung. Ash gerät in eine Situation, die beide zwingt, auf eine Weise miteinander umzugehen, die keiner von ihnen vorhergesehen hat. Dabei rücken nicht nur die Bedrohung von außen, sondern auch die Spannungen innerhalb der Academy und die persönlichen Geheimnisse der Figuren in den Mittelpunkt. Die Erzählung bleibt dabei eng am Alltag der Schule und den Beziehungen der Beteiligten, ohne die äußere Gefahr aus dem Blick zu verlieren.
Tropes
Friends to enemies to lovers, forced proximity, bullying, academy setting, mind sharing
Charaktere und Entwicklung
Juniper steht im Zentrum der Geschichte und wird als Figur gezeichnet, die sich nach außen hin bemüht, ihre fröhliche Art zu bewahren, während sie innerlich immer mehr zergeht. Das systematische Mobbing hat sie dazu gebracht, möglichst wenig aufzufallen und zu hoffen, dass man sie einfach übersieht. Gleichzeitig bleibt sie eine fähige Kämpferin, die sich nicht leicht unterkriegen lässt. Sie zeigt sich stur und bereit, für andere einzustehen, selbst wenn sie selbst gerade den Kürzeren zieht. Diese Mischung aus Zurückhaltung und innerer Stärke macht sie greifbar. Man spürt, wie sehr die vergangenen Jahre an ihr genagt haben, ohne dass sie deswegen zu einer gebrochenen Figur wird.
Ash wirkt auf den ersten Blick wie der klassische beliebte Schüler, der andere herabsetzt und seine Position an der Academy ausnutzt. Doch schon früh stellt sich die Frage, warum er Juniper nicht einfach ignoriert, nachdem die beiden früher eng befreundet waren. Seine Ablehnung wirkt zu gezielt und anhaltend, als dass sie rein aus Abneigung entstehen könnte. Die gemeinsame Vorgeschichte und die Art, wie er auf Juniper reagiert, lassen erkennen, dass unter der Oberfläche mehr steckt. Seine Entwicklung verläuft parallel zu Junipers und wird durch die ungewöhnliche Situation, in der sich beide befinden, stark vorangetrieben. Die Nähe, die ihnen aufgezwungen wird, zwingt ihn, sich mit Dingen auseinanderzusetzen, die er lange verdrängt hat.
Die Dynamik zwischen den beiden trägt die Geschichte. Ihre Interaktionen sind von Misstrauen, alter Vertrautheit und einer wachsenden Notwendigkeit geprägt, sich aufeinander einzulassen. Juniper muss lernen, mit der ständigen Präsenz von Ash umzugehen, während er gezwungen ist, ihre Perspektive und ihre Gefühle wahrzunehmen. Diese Entwicklung wirkt glaubwürdig, weil sie nicht abrupt kommt, sondern sich aus den Umständen und den Persönlichkeiten heraus ergibt. Nebenfiguren unterstützen das Bild, ohne die beiden Hauptfiguren in den Hintergrund zu drängen. Besonders die Verbindungen zur Winter Academy und der Ausblick auf die Autumn Academy, in der Eris, die Cousine von Juniper, eine Rolle spielen wird, betten die Figuren in ein größeres Gefüge ein.
Schreibstil, Worldbuilding usw.
Der Schreibstil ist zugänglich und flüssig, sodass man den Kapiteln leicht folgt. Die Erzählung hält ein ruhigeres Tempo als der Vorgänger und konzentriert sich stärker auf den Alltag an der Academy, die Beziehungen und die allmähliche Entfaltung der Konflikte. Der Stein und die damit verbundenen Elemente rücken erst später in den Vordergrund, was dem mittleren Teil Raum gibt, die Figuren und das Setting zu vertiefen. New Orleans als Schauplatz verleiht der Academy eine eigene Atmosphäre, in der das Magische und das Alltägliche nebeneinander existieren. Die Phönixmagie und die elementaren Fähigkeiten werden nachvollziehbar eingebunden, ohne dass lange Erklärungen den Fluss unterbrechen. Die Bedrohung durch die Widergänger bleibt präsent, wird aber nicht ständig in den Vordergrund gedrängt, sodass die zwischenmenschlichen Spannungen und das Leben an der Schule den größeren Raum einnehmen. Das Worldbuilding wirkt stimmig und lässt Raum für die weiteren Bände der Reihe, ohne alles auf einmal erklären zu müssen.
Meinung
Das ruhigere Tempo nach der Winter Academy kommt der Geschichte zugute. Statt ständig von einem Ereignis zum nächsten zu springen, bleibt der Fokus lange auf der Academy selbst und den Menschen darin. Das Mobbing wird nicht nur als Hintergrundmotiv behandelt, sondern als etwas, das Juniper nachhaltig geprägt hat. Man sieht, wie sie versucht hat, ihre fröhliche Art zu bewahren, und wie sie sich trotzdem immer weiter zurückgezogen hat. Sie will nicht auffallen, hofft, dass man sie in Ruhe lässt, und bleibt dennoch eine gute Kämpferin, die für andere durchs Feuer ginge. Diese Widersprüche machen sie interessant.
Bei Ash spürt man früh, dass etwas nicht stimmt. Die frühere Freundschaft und die Art, wie er Juniper behandelt, passen nicht zusammen. Es fühlt sich an, als stecke mehr dahinter, und die Auflösung kommt bewusst spät. Das hält die Spannung, ohne dass man das Gefühl bekommt, die Geschichte würde sich unnötig hinziehen. Die gemeinsame Situation, in der Ash Zugang zu Junipers Gedanken und Gefühlen hat, zwingt beide, sich neu zu begegnen. Die Entwicklung zwischen ihnen wirkt nachvollziehbar und trägt die emotionalen Momente ohne einen gewissen humoristischen Unterton zu verlieren.
Ich hatte während des Lesens die Sorge, dass es nicht zu einem guten Ende kommen würde. Die Ausgangslage ist belastet genug, dass ein bitteres Finale möglich schien. Doch der Schluss fügt sich stimmig und lässt die Verbindung zur Winter Academy spürbar werden, während er gleichzeitig den Weg zur Autumn Academy öffnet, in der Eris im Mittelpunkt stehen wird. Die Figuren bleiben in ihrer Entwicklung glaubwürdig, und die ruhigere Erzählweise gibt ihnen den Raum, den sie brauchen.
Fazit
„Summer Academy. Die Hüterin des Feuers“ setzt die Reihe mit einem stärkeren Blick auf die Figuren und den Alltag an der Academy fort. Die Geschichte um Juniper und Ash lebt von ihrer gemeinsamen Vergangenheit, dem Mobbing und der ungewöhnlichen Nähe, die sie zueinander zwingt. Das ruhigere Tempo und der Fokus auf die Entwicklung der beiden Hauptfiguren machen den Band zu einem eigenständigen Teil, der zugleich den Bogen zu den anderen Jahreszeiten-Academys schlägt.