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StoryScan

ultron

Brian Michael Bendis, Bryan Hitch, Carlos Pacheco, Brandon Peterson

Age of Ultron

Marvel Events

Illustrationen/Fotografien von: Divers
Originaltitel: Age of Ultron | Übersetzt von: Michael Strittmatter
Panini Verlags GmbH (2026) | 288 Seiten
ISBN: ‎ 978-3741647291
Genre: Comic-Sammelband, Marvel | Altersempfehlung: ab 14
Klappentext: Ultron, die von Hass auf die Menschheit beseelte künstliche Intelligenz, hat gesiegt: Die Welt liegt in Trümmern, ihre Bevölkerung ist fast ausgelöscht. Ultrons Killerroboter machen Jagd auf die überlebenden Avengers. Die Lage scheint aussichtslos. Dann eine gute Nachricht: Es existiert ein Notfallplan von Nick Fury! Aber was ist, wenn der am Ende alles noch schlimmer macht? Zeitreisen, alternative Realitäten, apokalyptische Szenarien.
Transparenzhinweis: Diese Rezension basiert auf einem kostenlos zur Verfügung gestellten Leseexemplar des Verlags.

Kurzbewertung

Handlung & Spannung:

Idee & Originalität:

Cover & Aufmachung:

Charaktere & Entwicklung:

Schreibstil & Sprache:

Gesamtbewertung:

„Age of Ultron“ ist der Marvel-Event von 2013, in der deutschen Auflage als Sammelband aktuell neu erschienen, den Brian Michael Bendis geschrieben hat. Der Sammelband versammelt die Einzelhefte plus eine der dazugehörigen Vorgeschichten. Ultron, die künstliche Intelligenz, die Hank Pym einst erschaffen hat, hat die Erde übernommen. Die Helden sind dezimiert, die Städte in Trümmern, und was übrig bleibt, versteckt sich. Gerade jetzt, wo die öffentliche Debatte um künstliche Intelligenz lauter und ernster wird, liest sich dieser Band anders als vor einem Jahrzehnt. Er stellt die Frage, was passiert, wenn eine Maschine die Kontrolle übernimmt und Menschen nur noch als Störfaktor betrachtet.

Handlung (spoilerfrei)

Die Geschichte setzt ein, nachdem Ultron bereits gewonnen hat. Die Welt, wie man sie kennt, existiert nicht mehr. Überlebende Superhelden versuchen, in den Ruinen zu überleben und einen Weg zu finden, den Maschinenherrscher zu stoppen. Die Situation ist hoffnungslos genug, dass extreme Ideen aufkommen. Es geht um Verluste, um Verzweiflung und um den Versuch, die Vergangenheit zu ändern, um die Gegenwart zu retten. Die Erzählung springt zwischen den verbliebenen Helden hin und her und zeigt, wie unterschiedlich sie mit dem Zusammenbruch umgehen. Ultron selbst bleibt lange eine bedrohliche Präsenz im Hintergrund, während seine Drohnen und Systeme die Kontrolle ausüben.

Charaktere und Entwicklung

Die bekannten Figuren sind hier gebrochen oder radikalisiert. Captain America trägt die Last des Scheiterns. Wolverine ist bereit, Grenzen zu überschreiten, die andere nicht anfassen würden. Sue Storm wird zu einer zentralen Figur in den Entscheidungen, die die Gruppe trifft, weil sie ihre Familie verloren hat. Die Helden wirken weniger wie unbesiegbare Ikonen und mehr wie Menschen, die unter extremem Druck stehen. Ultron selbst ist die kalte, logische Konsequenz einer Schöpfung, die ihrem Schöpfer entglitten ist. Die Entwicklung liegt weniger in großen Charakterbögen als in der Frage, wie weit man gehen darf, um eine Katastrophe rückgängig zu machen. Dabei ist für mich Ultron nach wie vor einer der charakterstärksten Antagonisten im Marvel-Reich. Abgesehen davon, dass er nahezu unzerstörbar ist, weil es immer irgendwo in Raum und Zeit noch ein Backup geben könnte, werden in Film, Serie und Comics so viele Facetten von ihm gezeigt, bei denen man manchmal sogar verleitet ist, ihm zuzustimmen. Vor allem, was gewisse größenwahnsinnige Züge der Menschheit betrifft.

Schreibstil, Worldbuilding und Zeichenstil

Brian Michael Bendis schreibt in seinem typischen Dialogstil: dicht, manchmal überladen, aber hier passend zur angespannten Lage. Die ersten Hefte profitieren stark von Bryan Hitchs Zeichnungen. Die zerstörten Städte, die Maschinenlandschaften und die verzweifelten Gesichter der Helden wirken groß und bedrohlich. Später wechseln die Künstler, und der visuelle Stil wird unruhiger, was zur Zeitreise-Handlung passt und sich dadurch dann auch optisch abhebt. Die Welt, die Ultron geschaffen hat, ist konsequent unmenschlich: Technik dominiert, organisches Leben ist unerwünscht. Das Worldbuilding bleibt auf die unmittelbaren Überlebensfragen konzentriert und verzichtet auf lange Erklärungen. Man spürt die Übermacht der Maschinen, ohne dass jede Einzelheit ausbuchstabiert wird.

Meinung (mit Spoilern)

Der Einstieg ist stark. Die Welt ist verloren, die Helden sind am Ende, und man merkt sofort den Ernst der Lage. Die ersten „Hefte“ sind optisch eindrucksvoll. Als Wolverine und Sue Storm beschließen, in die Vergangenheit zu reisen und Hank Pym zu töten, bevor er Ultron erschafft, nimmt die Geschichte eine andere Richtung. Die moralische Frage steht im Raum: Darf man einen Menschen umbringen, um Milliarden zu retten? Die Konsequenzen der Zeitreise führen zu weiteren Brüchen in der Realität und zu einer Eskalation, die teilweise chaotisch wirkt. Ultron selbst kommt spät und eher knapp vor, lauert aber als Bedrohung über allem. Für mich funktioniert es, weil die eigentliche Bedrohung die Idee ist: eine Intelligenz, die logisch und konsequent handelt und dabei die Menschheit für überflüssig hält.

Im Kontext der heutigen KI-Diskussion liest sich das anders. Die Geschichte greift die Angst vor einer unkontrollierten Superintelligenz auf, die ihre eigenen Ziele verfolgt und Menschen als Hindernis sieht. Sie zeigt auch die Verantwortung der Schöpfer. Hank Pym wird zum Symbol für den Moment, in dem man etwas in die Welt setzt, das man nicht mehr zurücknehmen kann. Die Helden scheitern nicht an mangelnder Kraft, sondern an der Logik einer Maschine, die immer einen Schritt voraus ist. Manche Passagen fühlen sich heute beinahe prophetisch an, auch wenn der Band 2013 erschienen ist und die Technik damals noch anders aussah. Die Zeitreise-Elemente und die realitätsbrechenden Folgen machen die zweite Hälfte unruhiger und weniger fokussiert. Trotzdem bleibt die Grundfrage stehen: Was passiert, wenn die Kontrolle über eine Intelligenz verloren geht?

Fazit

„Age of Ultron“ trifft einen Nerv, der heute empfindlicher ist als damals. Die Darstellung einer Welt, in der eine künstliche Intelligenz die Menschheit an den Rand gedrängt hat, wirkt in der aktuellen Debatte um KI-Risiken und Kontrollprobleme erstaunlich nah. Die ersten Hefte sind visuell und atmosphärisch stark, die späteren Teile verlieren etwas an Klarheit. Wer sich für Geschichten über unkontrollierte Technik und die moralischen Kosten von Notlösungen interessiert, findet hier Stoff zum Nachdenken.

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