O.J. Mullen
Der schuldige Ehemann
EAN : 9783690908276
Ich dachte, ich wäre der Angst endlich entflohen.
Doch dann lag er vor uns – tot. Wir hatten keine andere Wahl.
Jetzt kommt alles zurück … und diesmal gibt es kein Entkommen.
Mackenzie weiß genau, wie sich ein Leben ohne Sicherheit anfühlt. Deshalb hat sie sich ein Leben aufgebaut, das Hoffnung spenden soll: ein abgelegenes Frauenhaus, das einen Neuanfang bietet. Es ist ein sicherer Ort, der Frauen Schutz vor den Männern bietet, die sie zerstören wollen.
Caitlin ist verletzt, ängstlich und auf der Flucht vor ihrem Ehemann. Mackenzies Haus scheint der Ort zu sein, an dem sie endlich sicher ist und aufatmen kann. Doch so schnell kann sie der Dunkelheit nicht entkommen …
Als ihre Vergangenheit sie einholt und alle in Gefahr bringt, treffen Mackenzie und Caitlin eine Entscheidung, die alles verändert. Eine Entscheidung, die nicht rückgängig zu machen ist.
Was als Schutz beginnt, wird zu einem Geheimnis.
Und aus Opfern werden Täterinnen.
Denn manchmal reicht es nicht, zu überleben – manchmal muss man sich wehren.
Kurzbewertung
Handlung & Spannung:
Idee & Originalität:
Cover & Aufmachung:
Charaktere & Entwicklung:
Schreibstil & Sprache:
Gesamtbewertung:
„Der Schuldige Ehemann“ von O.J. Mullen führt den Leser in die raue Realität eines Frauenhauses nahe Glasgow. Die Geschichte greift Themen auf, die durchaus unbequem sind. Es geht um Schutz, Schuld und die feinen Grenzen, an denen Hilfe in etwas anderes umschlägt.
Handlung
Mackenzie Darroch leitet seit einigen Jahren ein Frauenhaus für misshandelte Frauen. Eines Nachts rettet sie die schwer verletzte Caitlin aus einem brennenden Wagen. Die junge Frau ist auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Ehemann und weigert sich, die Polizei einzuschalten. Mackenzie nimmt sie mit ins Frauenhaus, wo Caitlin nach und nach auftaut und den anderen Bewohnerinnen anvertraut wird. Parallel dazu bittet Detective Inspector Andrew Geddes, der Mackenzie aus ihrer eigenen Vergangenheit kennt, um Unterstützung für die junge Mutter Kirsty McBride. Deren Partner sitzt noch hinter Gittern, wird aber bald entlassen. Das Frauenhaus ist voll belegt, doch Mackenzie will wenigstens ein Gespräch führen. Was daraus entsteht, zieht immer weitere Kreise. Ein skrupelloser Reporter wittert eine Story, alte Traumata brechen auf, und Entscheidungen, die im Moment der Not richtig erscheinen, hinterlassen Spuren, die sich nicht so leicht tilgen lassen. Die Handlung bleibt eng bei den Frauen und bei den Männern, die sie bedrohen, und entfaltet sich über mehrere Schauplätze in und um Glasgow, ohne den Blick auf das Refuge und die Menschen darin zu verlieren.
Charaktere und Entwicklung
Mackenzie steht im Zentrum. Sie ist keine strahlende Heldin, sondern eine Frau, die ihre eigene Entführung und Misshandlung verarbeitet hat und daraus die Kraft zieht, anderen einen sicheren Ort zu bieten. Gleichzeitig bleibt sie verletzlich. Die Nähe zu Andrew Geddes bringt Hoffnung und neue Unsicherheit. Caitlin beginnt als gebrochene Flüchtende und wächst in eine Rolle hinein, die mehr verlangt, als sie anfangs tragen kann.
Die Männerfiguren sind klar gezeichnet, ohne platt zu wirken. Peter Sanderson ist der klassische Kontrollfreak mit Spielsucht, Malkie Boyle das Produkt einer harten Kindheit und kriminellen Prägung, der keinen zweiten Platz akzeptiert. Andrew Geddes kämpft mit Schuldgefühlen und der Spannung zwischen persönlicher Zuneigung und beruflicher Pflicht.
Schreibstil, Worldbuilding usw.
Mullen schreibt knapp und treibend. Die Sätze sind oft kurz, die Dialoge alltagsnah. Perspektiven wechseln zwischen den Frauen, den Ermittlern und den Tätern.
Das Frauenhaus ist kein idyllischer Zufluchtsort, sondern ein Ort voller Anspannung, gegenseitiger Hilfe und noch immer übrig gebliebener Angst. Die Atmosphäre bleibt durchgängig bedrückend.
Die moralischen Fragen werden nicht belehrend ausformuliert, sondern durch das Handeln der Figuren spürbar gemacht.
Meinung
Der Prolog mit dem nächtlichen Begraben der Leiche im Garten setzt von der ersten Seite an einen klaren Ton. Caitlin hat Peter in Notwehr schwer verletzt, Mackenzie beendet es, und beide beschließen, den Vorfall zu vertuschen. Das ist der Ausgangspunkt. Die Rettung Caitlins nach dem Unfall, ihr Geständnis über die jahrelange Gewalt, die Einführung in die Gemeinschaft mit Sylvia, Norma und den anderen, all das baut behutsam auf. Als Geddes wegen Kirsty kommt und das Haus voll ist, beginnt die eigentliche Spirale. Malkie wird entlassen, tötet den Nachbarn und später Kirsty selbst. Die Schuldgefühle von Geddes und Mackenzie nach diesem Versagen belasten ihre aufkeimende Beziehung schwer.
Die Figuren handeln aus einer Mischung aus Furcht, Schutzinstinkt und wachsendem Zynismus.
Die moralische Unschärfe wird nie aufgelöst, und genau das macht den Reiz aus. Manche Wendungen sind vorhersehbar, andere treffen unerwartet und unvorbereitet.
Fazit
„Der Schuldige Ehemann“ ist ein Thriller, der die Mechanismen von Gewalt und Gegengewalt ungeschminkt zeigt. Er bleibt nah an den Figuren und ihren Entscheidungen und lässt den Leser mit Fragen zurück, die nicht leicht zu beantworten sind. Die Spannung hält über die gesamte Länge, und die schottische Kulisse trägt ihren Teil dazu bei.