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beautybeast
© Lycrow Verlag

Liz Rosen

A Beauty for the Beast

Verflucht, bis die letzte Blüte fällt.

Lycrow Verlag (2026) | 400 Seiten
ISBN: 978-3690283861
Genre: Dark Romance, Retelling, Märchen | Altersempfehlung: ab 18
Klappentext:

Er liebt niemals.

Er tötet immer.

Er ist für alle Zeit verflucht.

Und doch lässt ihre Schönheit sein Herz erzittern.

Varek verachtet den Palast, die feine Gesellschaft und das Leben am königlichen Hof. Seit eine grausame Hexe ihn in ein Biest verwandelt hat, bekommt ihn niemand mehr zu Gesicht. Nur seine drakonischen Strafen bekommt das Volk zu spüren, die von Jahr zu Jahr schlimmer werden. Was allerdings niemand ahnt: Die Zeit läuft gegen Varek. Der Fluch der Hexe verwandelt ihn Stück für Stück in ein Monster – und nur wahre Liebe kann ihn retten.

Da kommt es ihm gerade recht, dass Isabells Vater, getrieben von Hunger und Kälte, Zuflucht in seinem Schloss sucht. Statt ihn dem Kerker zu überlassen, fordert die Bestie ein Jahr von Isabells Zeit – ein Jahr, das sie im Schloss verbringen muss. Zwischen Todesangst und verbotener Leidenschaft hat Bell nur eine Aufgabe: Varek zu lehren, wie man liebt – vor allem sich selbst.

Der düstere Einzelband von Liz Rosen – märchenhaft, blutig und heiß. Mit expliziten Szenen, die dein Blut zum Kochen bringen.

Kurzbewertung

Handlung & Spannung:

Idee & Originalität:

Cover & Aufmachung:

Charaktere & Entwicklung:

Schreibstil & Sprache:

Gesamtbewertung:

Ich habe schon einige Dark Romance Retellings von Liz Rosen gelesen und mag ihren Schreibstil sowie ihre kreativen, oft sehr eigenwilligen Ideen sehr gerne. Deshalb habe ich auch zu „A Beauty for the Beast“ gegriffen – einem düsteren, freien Schöne und das Biest-Retelling mit extrem expliziten Elementen. Man weiß bei ihren Büchern vorher ziemlich genau, worauf man sich einlässt: Spice, eine harte, leidenschaftliche Tonalität und Figuren, die aus ihren alten Märchen-Mustern ausbrechen. Genau das habe ich hier gesucht und auch bekommen.

Handlung (spoilerfrei)

Varek, einst ein stolzer König, lebt seit seiner grausamen Verfluchung durch eine Hexe als einsames Biest in seinem verlassenen Schloss. Er verachtet die Welt außerhalb seiner Mauern und lässt sein Volk die eigene Verzweiflung dadurch spüren, dass er sie sich selbst überlässt: Steigende Preise, kälter werdende Winter und keine Aussicht auf Hilfe. Die Zeit drängt jedoch für Varek erbarmungslos: Die magische Rose verliert jeden Monat ein Blütenblatt, und mit jedem verlorenen Blatt verwandelt sich Varek Stück für Stück mehr in das Monster. Nur wahre Liebe – so die Bedingung des Fluches – kann ihn noch retten.

Als Isabells Vater aus purer Verzweiflung und Not ins Schloss eindringt, um seine Erfindungen zu verkaufen und Geld für den Winter zu bekommen, und dabei die besondere Rose für seine Tochter stehlen will, sieht das Biest schließlich seine Chance. Statt den Mann einfach im Kerker verrotten zu lassen, fordert es als Strafe und Zeichen seiner Macht ein ganzes Jahr von Isabells Leben. Die junge Frau muss ein komplettes Jahr bei ihm im Schloss verbringen. Was als pure Todesangst und erzwungene Gefangenschaft beginnt, entwickelt sich langsam zu einer hochkomplexen, verbotenen Beziehung voller Leidenschaft, Bücher und Emotionalitäten. Monat für Monat springt die Erzählung anfangs voran und zeigt, wie sich die Dynamik zwischen den beiden verändert: Immer unter dem Druck der ablaufenden Zeit und der wachsenden inneren Konflikte.

Zum Original: Ein kurzer Ausflug ins klassische Märchen

Das Märchen „Die Schöne und das Biest“ geht zurück auf die französische Autorin Gabrielle-Suzanne Barbot de Villeneuve, die 1740 eine ausführliche Version veröffentlichte, die später von Jeanne-Marie Leprince de Beaumont stark gekürzt und moralisch zugespitzt wurde. Im Kern geht es um einen Kaufmann, der sich in einem verzauberten Schloss verirrt, eine Rose für seine jüngste, bescheidene Tochter pflückt und dafür vom Biest mit dem Tod bedroht wird. Die Tochter opfert sich freiwillig, zieht ins Schloss und lernt das vermeintliche Monster durch Güte, Gespräche und Geduld kennen. Das Biest erweist sich als verfluchter Prinz, und am Ende erlöst die Liebe des Mädchens ihn von seinem Fluch. Eine klassische Geschichte über das Sehen hinter die äußere Hülle, innere Schönheit und die transformative Kraft von Mitgefühl und Zuneigung. Viele moderne Retellings behalten die verzauberten Bediensteten, den prunkvollen Palast und das dramatische Happy End bei. Liz Rosen bricht mit fast all diesen Elementen und behält den Kern des Märchens dafür bei. Wie sie selbst in der Danksagung am Ende schreibt, hat sie sogar mit dem Gedanken gespielt, nicht auf das Happy End hin zu steuern, sondern beide Protagonisten sterben zu lassen.

Charaktere und Entwicklung

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Ich-Perspektive von Varek und Isabell erzählt. Für mich steht Varek dabei klar im Vordergrund und trägt den Großteil der emotionalen Last. Er ist ein extrem vielschichtiger Charakter: einerseits brutal, von tiefem Selbsthass und Rachegefühlen zerfressen, andererseits immer wieder überraschend verständnisvoll, verletzlich und fast schon zärtlich. Seine Entwicklung dreht sich nicht primär darum, von jemandem geliebt zu werden, sondern darum, überhaupt erst zu lernen, andere Menschen und vor allem sich selbst zu lieben. Das macht ihn deutlich komplexer als in vielen klassischen Versionen.

Isabell ist trotzig, buchverliebt und zunächst fest entschlossen, nur ihre Pflicht zu erfüllen und so schnell wie möglich nach Hause zurückzukehren. Sie hat ebenfalls starke eigene Perspektiven, durchläuft in meinen Augen jedoch weniger tiefgreifende Veränderungen als Varek. Ihre innere Zerrissenheit – die Mischung aus Angst, Widerstand, Langeweile und wachsender Anziehung – ist dennoch gut spürbar. Die Dynamik zwischen den beiden lebt von kleinen Machtspielen, Misstrauen, roher Gewalt und einer immer intensiver werdenden Leidenschaft.

Besonders auffällig und wirkungsvoll ist die Entscheidung, das Schloss komplett leer und verlassen zu lassen. Es gibt keine verzauberten Bediensteten, keine sprechenden Möbel und keine weiteren Bewohner – nur Varek und Isabel (und hin und wieder die „böse“ Hexe), die vollständig aufeinander angewiesen sind. Diese radikale Isolation verstärkt die Intensität ihrer Beziehung enorm. Die monatlichen Zeitsprünge helfen dabei, die langsame, aber stetige Annäherung nachvollziehbar zu machen. Am Ende verzichtet die Autorin auf eine große dramatische Konfrontation und wählt stattdessen eine eher ruhige, getrennte und dennoch sinnige Auflösung.

Schreibstil

Liz Rosen schreibt flüssig, atmosphärisch dicht und sehr direkt. Die düstere, märchenhafte Grundstimmung wird durch etwas brutalere Momente (bereits der Einstieg mit dem abgetrennten Finger setzt einen harten Ton) und sinnlichere dark-romance Momente eingefangen. Die zahlreichen und sehr ausführlichen expliziten Szenen nehmen einen großen Raum ein – sie sind lang und detailliert. Ich glaube auch, dass es das erste Buch ist, in dem so viel Platz für den Spice eingeräumt wurde. Der Wechsel zwischen den beiden Ich-Perspektiven funktioniert gut und erlaubt tiefe Einblicke in die widersprüchlichen Gedanken und Gefühle beider Figuren. Insgesamt fühlt sich die freie Interpretation des Märchens sehr eigenständig und erwachsener an als viele andere Retellings.

Meinung

„A Beauty for the Beast“ ist ein sehr spice-lastiges Dark Romance Retelling, bei dem der Fokus eindeutig stärker auf Varek und seiner inneren Zerrissenheit liegt als auf Isabell. Das hat mir besonders gut gefallen, weil es dem Biest deutlich mehr Tiefe und psychologische Komplexität gibt als in vielen klassischen oder Disney-inspirierten Versionen. Die vielen langen Sexszenen dominieren allerdings auch mengenmäßig stark und machen einen größeren Teil der Seiten aus. Wer bei Liz Rosen vor allem wegen der expliziten Leidenschaft zugreift, wird hier voll auf seine Kosten kommen.

Mir hat die radikale Abweichung vom Originalmärchen gefallen: das leere Schloss, der veränderte Kern des Fluches (lieben lernen statt nur geliebt werden) und das Fehlen einer großen Finalschlacht. Es fühlt sich dadurch frischer, düsterer und realistischer an, allerdings fehlte mir im Kontrast dazu der eigentliche Spannungsbogen. Die brutalen Momente zu Beginn setzen einen klaren, harten Ton, der sich konsequent durch die gesamte Geschichte zieht und die Isolation der beiden Figuren noch spürbarer macht. Insgesamt war es genau das, was ich von der Autorin erwartet habe: intensiv, heiß, manchmal verstörend und mit einer eigenen, unverwechselbaren Note.

Fazit

„A Beauty for the Beast“ ist ein düsteres, blutiges und extrem explizites Schöne und das Biest-Retelling mit starkem Fokus auf dem Biest, viel roher Leidenschaft und einer sehr freien, eigenwilligen Märcheninterpretation. Wer dunkle, spice-reiche Retellings mag und Liz Rosens Stil bereits kennt und schätzt, wird hier hervorragend unterhalten. Es ist kein sanftes Märchen, sondern eine intensive, erwachsene und leidenschaftliche Variante, die bewusst mit den Erwartungen des Originals bricht.

 

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