Mela Storm
Befleckte Mutterherzen
Kurzbewertung
Handlung & Spannung:
Idee & Originalität:
Cover & Aufmachung:
Charaktere & Entwicklung:
Schreibstil & Sprache:
Gesamtbewertung:
Mit „Befleckte Mutterherzen“ legt Mela Storm ihren zweiten Psychothriller vor. Ich habe mir das Buch auf einer Messe gekauft und fand auch das persönliche Gespräch mit der Autorin sehr herzlich – und nein, das meine ich im Bezug auf den Titel nicht doppeldeutig. Ich gestehe, dass ich in meinem tiefen inneren als Coverdesignerin wohl eher nicht direkt zu diesem Buch gegriffen hätte, habe aber beim Blick im Impressum dann festgestellt, dass es wohl von Melas Tochter entworfen wurde, was dann doch irgendwie gerade im Bezug auf diese Story wirklich wundervoll ist.
Handlung
Liz lebt als alleinerziehende Mutter mit ihren Kindern Bo und Bente in Elmshorn. Beim Joggen im Wald lernt sie Thomas kennen. Er arbeitet als Chirurg am örtlichen Krankenhaus und ist mit Anna verheiratet. Das Paar trauert noch immer um die Tochter, die vor einem Jahr bei einem schweren Verkehrsunfall ums Leben kam. Zwischen Liz und Thomas entwickelt sich jedoch schnell eine Freundschaft.
Dann geschieht im Stadtwald allerdings ein brutaler Mord. Eine Mutter wird getötet. Der Täter entfernt ihr Herz und hinterlässt an der Leiche ein persönliches Zeichen. Die Tat erschüttert die Bewohner der Kleinstadt. Die Polizei nimmt die Ermittlungen auf. Gleichzeitig beginnt Bo, der siebzehnjährige Sohn von Liz, selbst nachzuforschen. Er fasst schnell einen Verdacht und richtet ihn gegen Thomas. Auch Anna wird misstrauisch. Sie beobachtet, dass ihr Mann sich häufig auf dem Dachboden aufhält, und wendet sich an die Polizei. Doch gegen Thomas lässt sich nichts Konkretes nachweisen.
Kurz darauf folgt der nächste Mord im Wald. Die Angst in der Stadt wächst. Die Ermittlungen laufen weiter. Verschiedene Personen geraten in den Fokus. Die Handlung bleibt eng an den Geschehnissen und den beteiligten Menschen orientiert. Sie verbindet den persönlichen Alltag der Figuren mit der wachsenden Bedrohung durch den Täter und den Ermittlungen der Polizei.
Charaktere und ihre Entwicklung
Liz steht als alleinerziehende Mutter im Mittelpunkt eines Teils der Handlung. Sie muss den Alltag mit ihren Kindern meistern und gerät zugleich in eine Freundschaft, die durch die Ereignisse belastet wird. Ihre Rolle wirkt alltagsnah und nachvollziehbar. Bo, ihr siebzehnjähriger Sohn, entwickelt sich durch seine eigenständigen Nachforschungen tatsächlich zu einer Art Lieblingsfigur. Er handelt zwar impulsiv und bringt sich dabei selbst in Gefahr, jedoch ist er auch der Einzige, der ein wenig über den Tellerrand hinausschaut, selbst wenn er sich zu Beginn noch festgefahren hatte. Diese Entwicklung zeigt, wie die Tat in die Familie hineinwirkt und einen Jugendlichen zu Entscheidungen drängt, die über sein Alter hinausgehen.
Thomas und Anna tragen die Last des Verlustes ihrer Tochter. Ihre Trauer beeinflusst ihr Verhalten und ihre Wahrnehmung. Thomas gerät früh unter Verdacht. Die Zweifel seiner Frau und die Ermittlungen setzen ihn unter Druck. Anna beobachtet ihn genauer und zieht daraus Konsequenzen. Die Darstellung der beiden bleibt nah an ihrer persönlichen Situation. Der Verlust der Tochter bildet einen durchgehenden Hintergrund, der ihre Handlungen und Reaktionen mitprägt.
Die Opfer, die Hinterbliebenen, die ermittelnden Polizisten und auch journalistische Stimmen erhalten eigene Kapitel. Dadurch entstehen unterschiedliche Blickwinkel auf dieselbe Geschichte. Die Figuren wirken in ihren jeweiligen Positionen stimmig. Ihre Reaktionen auf die Morde und die Ermittlungen bleiben nachvollziehbar. Die Entwicklung verläuft nicht sprunghaft, sondern ergibt sich aus den Ereignissen und den persönlichen Voraussetzungen der Beteiligten.
Schreibstil, Worldbuilding usw.
Mela erzählt in einem klaren und direkten Stil. Der Text ist gut lesbar und bleibt nah an den Figuren. Die Autorin wechselt innerhalb der Handlung oft die Perspektiven, jedoch konsequent erst zu Beginn des neuen Kapitels. Der größte Teil der Geschichte wird aus einer auktorialen Sicht erzählt. Beim Mörder wechselt sie in die Ich-Perspektive. Zusätzlich gibt es Kapitel aus der Sicht der Opfer, der Hinterbliebenen, der Polizei und von Journalisten. Dieser Aufbau überrascht mich positiv. Normalerweise stoße ich mich an häufigen Perspektivwechseln, weil der Fokus leicht verloren geht. Hier bleibt der Blick auf die Morde und die Ermittlungen durchgängig erhalten. Die verschiedenen Stimmen ergänzen einander und erzeugen ein geschlossenes Bild.
Das Setting in Elmshorn trägt zur Wirkung bei. Die Kleinstadt mit dem Stadtwald und den alltäglichen Orten wirkt greifbar. Die regionale Verankerung verleiht der Geschichte eine konkrete Atmosphäre. Die Darstellung der Trauer nach dem Verlust eines Kindes und die Auswirkungen einer solchen Tat auf eine kleine Gemeinschaft bleiben sachlich und nachvollziehbar. Die Spannung entsteht aus der Kombination von persönlicher Nähe, den laufenden Ermittlungen und der anhaltenden Bedrohung.
Meinung
Das Buch hat mich tatsächlich überrascht. Ich gehe an Romane mit vielen Perspektiven meist zurückhaltend heran, weil der Wechsel innerhalb der Kapitel den Fokus leicht verwässern kann. Hier ist das nicht der Fall. Der allgemeine Erzähler führt den größten Teil der Handlung. Nur beim Mörder wechselt die Erzählung in die Ich-Perspektive. Dazu kommen Kapitel aus der Sicht der Opfer, der Hinterbliebenen, der Polizei bei den Ermittlungen und von Journalisten. Diese Struktur ergibt ein stimmiges Gesamtbild. Der Fokus auf die Morde und die Suche nach dem Täter bleibt durchgängig erhalten.
Früh zeichnet sich ab, wer der Mörder ist. In vielen Fällen würde das den Lesespaß mindern. Hier war das nicht so. Die Konstruktion hält die Spannung dennoch aufrecht. Es geht nicht allein darum, die Identität des Täters zu erraten. Vielmehr interessiert, wie die verschiedenen Personen mit den Ereignissen umgehen, wie sich der Verdacht verdichtet und welche Auswirkungen die Taten auf die Beteiligten haben.
Die Darstellung der Trauer von Thomas und Anna um ihre Tochter wirkt glaubwürdig. Der Verlust liegt erst ein Jahr zurück und beeinflusst ihr Verhalten nachhaltig. Die Freundschaft zwischen Liz und Thomas erhält durch die Ereignisse eine zusätzliche Belastung. Die verschiedenen Perspektiven erlauben es, diese Entwicklungen aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu verfolgen, ohne dass die Handlung unübersichtlich wird.
Insgesamt halte ich den Aufbau für gelungen. Die Autorin hat ein geschlossenes Konstrukt geschaffen, das die unterschiedlichen Stimmen sinnvoll miteinander verbindet. Die regionale Verankerung in Elmshorn trägt dazu bei, dass die Geschichte greifbar bleibt.
Am Ende bleibt jedoch gerade für den Leser die Frage: Kann man einem Mörder sein eigenes Glück noch gönnen? Der Epilog wechselt nämlich radikal die Perspektive. Und gerade im Bezug darauf, dass wir viel über die Hinterbliebenen erfahren haben, hat er einen sehr bitteren Beigeschmack, regt aber definitiv zum Nachdenken an.
Fazit
„Befleckte Mutterherzen“ erzählt von einer grausamen Mordserie in Elmshorn und von den Menschen, die davon betroffen sind. Die Geschichte verbindet den Alltag einer alleinerziehenden Mutter und ihrer Familie mit der Trauer eines Elternpaares und den Ermittlungen der Polizei. Die verschiedenen Perspektiven ergänzen einander und halten den Fokus auf den Geschehnissen. Auch wenn sich die Identität des Täters früh abzeichnet, bleibt die Konstruktion spannend und stimmig. Der Roman überzeugt durch seinen klaren Aufbau und die nachvollziehbare Darstellung der beteiligten Figuren.