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lastera

Jasmin Engel

Last Era

In Zeiten des Wandels

Valmis Verlag (2026) | 365 Seiten
ISBN: 978-3695686193
Genre: Historische Fantasy | Altersempfehlung: ab 14
Klappentext: Nürnberg 1500 Die neunzehnjährige Sophie führt mit ihrem Vater ein beschauliches Leben im gehobenen Bürgertum der Stadt. Bald dreht sich für sie alles um ihre verbotene Liebe zu dem jungen Adligen Simon – bis ein Inquisitor in der Stadt aktiv wird. Auch Sophie und ihr Vater geraten in große Gefahr, denn es kursieren Gerüchte, dass der Universalgelehrte in seinem Keller Alchemie und schwarze Magie betreibt. Wird Sophie es schaffen, dem Inquisitor und seinem Dämon mit Hilfe ihrer übersinnlichen Gabe und des Engels Adrael die Stirn zu bieten? Komm mit auf eine düster-romantische, aber auch apokalyptische Reise in das Jahr 1500.
Transparenzhinweis: Diese Rezension basiert auf einem kostenlos zur Verfügung gestellten Leseexemplar des Verlags.

Kurzbewertung

Handlung & Spannung:

Idee & Originalität:

Cover & Aufmachung:

Charaktere & Entwicklung:

Schreibstil & Sprache:

Gesamtbewertung:

Als ich „Last Era: In Zeiten des Wandels“ von Jasmin Engel in die Hand nahm, wusste ich, dass mich eine Geschichte erwarten würde, die Historisches mit Fantasy verknüpft. Die Zeit um 1500 in Nürnberg, ergänzt durch Szenen in Venedig, bot den idealen Rahmen für eine Erzählung, die sowohl düster als auch irgendwie ein wenig romantisch angelegt ist, zwischen Hoffnung auf persönliches Glück und Apokalypse. Sophie, die neunzehnjährige Protagonistin, lebt mit ihrem Vater in gehobenen bürgerlichen Verhältnissen, doch unter der Oberfläche brodelt bereits Unruhe. Verbotene Gefühle, Gerüchte über Alchemie und das plötzliche Auftauchen eines Inquisitors sorgen dafür, dass aus dem beschaulichen Alltag schnell eine Bedrohung erwächst. Dazu kommen übersinnliche Fähigkeiten und eine Traumwelt, die mehr ist als bloße Einbildung. Ich war von Anfang an neugierig, wie diese Elemente zusammenfinden würden, und die Lektüre hat meine Erwartungen in vielerlei Hinsicht erfüllt.

Handlung (spoilerfrei)

Die Geschichte beginnt im Nürnberg des Jahres 1500. Sophie führt ein vergleichsweise ruhiges Leben an der Seite ihres Vaters, eines Universalgelehrten, der in der Stadt einen gewissen Ruf genießt und leider auch hat. Bald jedoch gerät dieses Gleichgewicht ins Wanken. Ihre Zuneigung zu dem jungen Adligen Simon überschreitet Standesgrenzen und muss verborgen bleiben. Gleichzeitig verstärkt sich der Druck von außen, als der Inquisitor Petrus in der Stadt aktiv wird und Ketzer sowie angebliche Schwarzkünstler verfolgt. Gerüchte um alchemistische Experimente und dunkle Praktiken im Keller des Vaters bringen Sophie und ihren Vater in akute Gefahr. Parallel dazu erlebt Sophie in ihren Träumen Begegnungen, die immer realer und bedrohlicher werden. Ein geheimnisvoller Widersacher fordert sie heraus, und der Engel Adrael tritt als Verbündeter in Erscheinung. Die Grenzen zwischen Alltag und Traumwelt verschwimmen, und Sophie muss erkennen, dass ihre Gabe und die Ereignisse in beiden Ebenen miteinander verbunden sind. Die Handlung führt später auch nach Venedig, wo die Renaissance bereits weiter fortgeschritten ist und neue Schauplätze sowie Herausforderungen warten. Spannung, romantische Momente und apokalyptische Untertöne wechseln sich ab, ohne dass die Erzählung ins Stocken gerät.

Charaktere und Entwicklung

Sophie steht im Mittelpunkt und ist von Beginn an eine Figur, die sich nicht in die üblichen Erwartungen ihrer Zeit einfügt. Als junge Frau im heiratsfähigen Alter lebt sie noch unverheiratet bei ihrem Vater und besitzt eine Gabe, die sie bereits seit ihrer Kindheit geheim hält. Ihre Entwicklung verläuft schrittweise. Anfangs wirkt sie noch unsicher und von den äußeren Umständen getrieben, doch im Verlauf der Geschichte wächst sie in ihre Rolle hinein und muss Entscheidungen treffen, die Mut und Entschlossenheit erfordern. Der Vater bleibt lange eine undurchsichtige Gestalt, dessen Geheimnisse erst nach und nach freigelegt werden. Simon, der junge Adlige, verkörpert die verbotene Liebe und bringt sowohl Zuneigung als auch zusätzliche Konflikte mit sich. Der Inquisitor Petrus ist eine klare Bedrohung, gnadenlos und von seinem Auftrag beseelt, die Stadt von Ketzern zu reinigen, angetrieben von der dämonischen Kraft an seiner Seite – er erhält auch seine eigenen Kapitel, die diese Seite der Handlung tiefer beleuchten. Adrael, der Engel, stellt eine spirituelle und unterstützende Kraft dar, die Sophie in den entscheidenden Momenten zur Seite steht. Die Nebenfiguren, darunter die Freundin Clara (die damit kämpft einen Erben zur Welt zu bringen), die eigene Theorien zur Apokalypse äußert, tragen zur Atmosphäre bei und erweitern den Blick auf die Gesellschaft jener Zeit. Die Charakterzeichnungen bleiben stimmig, und die Entwicklung Sophies fühlt sich nachvollziehbar an, ohne dass sie plötzlich zu einer übermächtigen Heldin wird.

Schreibstil, Worldbuilding usw.

Der Schreibstil von Jasmin Engel ist flüssig und zugänglich. Die Sprache passt sich dem historischen Setting an, ohne in eine sprachliche Konstruktion zu verfallen, die den Lesefluss stören würde. Beschreibungen der Stadt Nürnberg und später Venedigs sind detailreich und erzeugen ein lebendiges Bild der historischen Umgebung. Die Autorin hat die historischen Hintergründe sorgfältig recherchiert bzw. sie hat sie mir so gut verkauft, dass ihr das auch alles genau so glaube… Nürnberg um 1500 war ein bedeutendes Handels- und Kulturzentrum, in dem Humanismus und aufkommende wissenschaftliche Interessen neben streng kirchlichen Strukturen existierten. Alchemie und Gerüchte um schwarze Magie fügen sich nahtlos in diese Atmosphäre ein, ebenso wie die Endzeiterwartungen, die in jener Epoche weit verbreitet waren.

Das Worldbuilding verbindet die historische Kulisse mit einer magischen Traumwelt und setzt das Ganze in religiöse Zusammenhänge, in denen Sophie dem Inquisitor gegenübertreten muss. Diese parallele Ebene bleibt interpretierbar und öffnet Raum für eigene Überlegungen. Die Balance zwischen Alltagsgeschehen, romantischen Szenen und den bedrohlichen Traumsequenzen gelingt gut. Spannung entsteht nicht nur durch äußere Verfolgung, sondern auch durch die innere Unsicherheit Sophies und die Verknüpfung der beiden Welten.

Meinung (mit Spoilern)

Was mich besonders angesprochen hat, war die Idee, dass die Apokalypse nicht als einmaliges globales Ereignis gedacht wird, sondern als etwas Individuelles, das sich zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten ereignen kann. Ich finde, gerade dieser Aspekt lässt viel Raum auch für eigene Interpretationen, was den Fortgang der Handlung und die Meta-Ebene übrig. Der apokalyptische Faden beginnt schon früh, wird auch durch Clara immer wieder aufgeworfen und zieht sich entsprechend bis zum Finale durch das Buch.

Als Sophie merkt, dass die Gefahr in der Traumwelt und die Bedrohung durch den Inquisitor Petrus miteinander verknüpft sind, ändert sich schlagartig alles. Der Dämon, der dem Inquisitor zur Seite steht, und der Engel Adrael stehen sich in einem Konflikt gegenüber, der weit über die irdischen Machtspiele hinausreicht und irgendwie nicht ganz greifbar wird. Gerade Adreal untersteht einem System, das für mich an einigen Stellen sehr undurchsichtig blieb.

Die apokalyptische Stimmung und die Inquisition schweben über allem und Sophie wird nicht nur in der ‚realen‘ Welt dazu gezwungen sich mit all dem auseinander zu setzen, sondern auch in ihrem Träumen.

Am Ende bleibt Raum für eigene Interpretationen. Nicht alles wird bis ins letzte Detail aufgelöst, was ich durchaus als Stärke empfand. Für mich war die Verknüpfung von historischer Verfolgung, persönlicher Gabe und dem größeren kosmischen Konflikt überzeugend und stimmig umgesetzt. Für mich persönlich hätten wir jedoch noch ein wenig mehr in die ‚actionlastigere‘ Ebene gehen können, da gerade gegen Ende sehr viel auf einmal und sehr schnell passiert. Auch die Kämpfe in der Traumwelt sind eher ruhigerer Natur. Gerade das Schwert auf dem Cover hatte mir da ein wenig andere Versprechen gegeben.

Fazit

„Last Era: In Zeiten des Wandels“ hat mich über die gesamte Länge hinweg sehr gut unterhalten. Die Mischung aus historischem Nürnberg und Venedig um 1500, der verbotenen Liebe, der inquisitorischen Bedrohung und der übersinnlichen Traumwelt ergibt eine Erzählung, die sowohl atmosphärisch dicht als auch narrativ spannend bleibt. Sophie ist eine Protagonistin, mit der ich gerne mitgegangen bin, und die Nebenfiguren sowie das sorgfältig aufgebaute Setting tragen ihren Teil dazu bei.

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