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© Matthias Haak

Matthias Haak

Das Dunkel des Onyx

Die Schicksalsdiebe-Trilogie (Band 1)

Selfpublishing (2026) | 400 Seiten
Genre: Fantasy, Abenteuer | Altersempfehlung: ab 14
Klappentext: Als der junge Molwan einen wertvollen Stein stiehlt, soll sich sein Leben für immer verändern … Denn der dunkle Onyxstein entpuppt sich zu seiner Überraschung als waschechtes Drachenei, das auch prompt zu schlüpfen beginnt! Getrieben in einer Welt, in der er nach Selbstbestimmung giert und anderen stets die Schuld für sein Unglück in die Schuhe schiebt, beginnt er in der großen Stadt Caerbal, seinen eigenen Weg zu gehen – einen Weg, der ihn eng mit den hiesigen Dieben zusammenführt und an dessen Ende ein dunkles Geheimnis auf ihn lauert …
Transparenzhinweis: Diese Rezension basiert auf einem kostenlos zur Verfügung gestellten Leseexemplar durch den Autor selbst.

Kurzbewertung

Handlung & Spannung:
stark strukturiert, atmosphärisch, durchgehend interessant

Idee & Originalität:
eine eigene Welt zwischen Kult, Dieben und Fantasy

Cover & Aufmachung:
zurückhaltendes Design, könnte mehr WOW-Effekt haben

Charaktere & Entwicklung:
andauernde Charakterentwicklung der Figuren

Schreibstil & Sprache:
handwerklich top, klar, zugänglich, atmosphärisch

Gesamtbewertung:

Als Rezensionsexemplar vom Autor Matthias Haak selbst erhalten, hat mich der Klappentext von „Das Dunkel des Onyx“ sofort angesprochen. Die Geschichte eines jungen Diebes, der versehentlich ein Drachenei stiehlt, klang nach einer soliden, etwas ruhigeren Fantasy, die nicht sofort mit Weltuntergangsbedrohung und epischen Schlachten überfordert. Ich wollte den Autor bei seinem Debüt unterstützen und war gespannt, wie er seine Welt und Figuren entfaltet. Das Buch hat mich letztlich mit einem starken Twist am Ende überrascht.

Handlung (spoilerfrei)

Molwan stiehlt einen wertvollen Stein, der sich als lebendiges Drachenei entpuppt. Nach dem Schlüpfen des kleinen Drachen Onyx beginnt für ihn ein neues Leben in der großen Stadt. Dort schlägt er sich als Dieb durch und gerät in Kontakt mit einer lokalen Diebesgilde. Die Geschichte folgt seinem Versuch, sich einen Platz in dieser Unterwelt zu erarbeiten (mehr oder minder freiwillig), während er mit Aufträgen und den Regeln der Gilde konfrontiert wird. Im Verlauf der Handlung entwickeln sich Missionen, die ihn tiefer in die Strukturen der Stadt und ihrer Bewohner führen, inklusive Begegnungen mit Elfen und alten Artefakten. Die Erzählung bleibt größtenteils auf einer persönlichen Ebene und konzentriert sich auf Molwans Weg zwischen Überleben und wachsender Verstrickung in größere Zusammenhänge.

Tropes

Grumpy Sunshine, Found Family, Reluctant Hero, Dragon Companion, Heist Plot, Fate vs Free Will, Hidden Identity

Charaktere und Entwicklung

Molwan ist ein klassischer Grumpy-Charakter. Misstrauisch, schlecht gelaunt und schnell gereizt, schiebt er die Schuld für sein Unglück gerne auf andere. Seine Abneigung gegen offene Gespräche und seine ständige Wachsamkeit machen ihn komplexer, doch gerade diese Ecken und Kanten lassen ihn glaubwürdig wirken. Im Verlauf der Geschichte zeigt sich, dass unter der harten Schale mehr steckt, besonders durch seine Bindung zu Onyx und die langsam wachsende Verbindung zu anderen Figuren.

Sera bildet den deutlichen Kontrast dazu. Offen, positiv und neugierig versucht sie immer wieder, Molwan aus seiner Reserve zu locken. Ihre eigene Vergangenheit als Schicksalskind und ihre Entscheidung, gegen ihr vorbestimmtes Leben zu rebellieren, geben ihr Tiefe. Die Dynamik zwischen den beiden trägt einen großen Teil der Geschichte und entwickelt sich organisch, ohne künstlich beschleunigt zu wirken.

Onyx, der junge Drache, bleibt lange Zeit eher Begleiter als vollwertiger Charakter, gewinnt aber durch seine instinktiven Handlungen und seine Präsenz an Bedeutung. Die Nebenfiguren aus der Gilde erhalten genug Raum, um eigene Persönlichkeiten zu zeigen, besonders im Zusammenhang mit den gemeinsamen Aufträgen.

Schreibstil, Worldbuilding usw.

Matthias Haak nimmt sich Zeit für sein Worldbuilding. Besonders im ersten Drittel erfährt der Leser viel über die Stadt, ihre sozialen Schichten, die Religion und die kulturellen Eigenheiten der verschiedenen Völker. Diese Informationen werden meist durch Dialoge und Molwans Erkundungen vermittelt, was angenehm natürlich wirkt. Die Magie und die alten Artefakte bleiben zunächst mysteriös und werden nicht sofort vollständig erklärt.

Der Schreibstil ist klar und geradlinig. Haak verzichtet auf übertriebene Beschreibungen und setzt stattdessen auf eine ruhige, beobachtende Erzählweise. Die Handlung schreitet stetig voran, mit gut platzierten Zwischeninformationen, die auch Molwans Vergangenheit beleuchten. Action-Szenen sind präzise und nicht überladen, während ruhigere Passagen Raum für Charakterinteraktionen lassen. Es handelt sich für mich daher auch nicht um ein Action-Abenteuer, aber ein Buch mit angenehmer Charakterentwicklung und spannender Story und vor allem Lust auf Band 2!

Meinung (mit Spoilern)

Der Anfang folgt ziemlich genau dem Klappentext. Molwan stiehlt den Stein, Onyx schlüpft, und nach einem Zeitsprung ist der kleine Drache bereits bei ihm. Molwan verdient sich seinen Lebensunterhalt mit Diebstählen und wird von der Gilde aufgenommen. Sera tritt als offene, sonnige Gegenfigur auf, die ihn mit Fragen löchert und ihm ihre eigene Geschichte erzählt.

Besonders gelungen sind die Szenen innerhalb der Gilde. Die Aufträge, der Verkauf der gestohlenen Kette an die Elfen und die Vorbereitungen für den großen Coup beim Turnier geben der Geschichte einen guten Rhythmus. Der Einbruch ins Gefängnis und die Gruppendynamik zeigen, wie die Figuren zusammenwachsen.

Der Wendepunkt kommt mit dem vergifteten Messer. Die Erkenntnis, dass Onyx als Drache das fehlende Drachenblut liefern kann (nein, ich glaube als Leser ist man hier wenig überrascht, dass Onyx kein Hund ist) und Molwans darauffolgende Aktionen leiten den finalen Akt ein. Die Rettung Seras, die Begegnung mit den Kultisten und das Ritual des Elfen am Altar gehören zum stärksten Teil des Buches.

Was mir besonders gefallen hat, ist, dass Haak den Fokus auf Molwans persönliche Entwicklung und seine Beziehung zu Sera und Onyx hält, statt alles in große Weltkonflikte zu kippen. Leitet allerdings auch die nächsten größeren Ereignisse für Band 2 ein, denn ich glaube nicht, dass das, was am Altar passiert ist, nicht die ganze Welt mit in den Abgrund reißen könnte.

Kleinere Schwächen liegen in manchen Dialogen, die gelegentlich etwas steif wirken, und in der einen oder anderen Passage, in der das Worldbuilding noch stärker hätte integriert werden können. Insgesamt überwiegen aber die positiven Aspekte deutlich.

Fazit

„Das Dunkel des Onyx“ ist ein gelungenes Fantasy-Werk, das vor allem durch seine Figuren und den unerwartet düsteren Schluss punktet. Matthias Haak hat eine eigene Welt geschaffen, die genug Geheimnisse birgt, um neugierig auf weitere Bände zu machen. Wer ruhige, charaktergetriebene Fantasy mit Diebesgilden, Drachen und Schicksalsfragen mag, findet hier eine Geschichte, die ihren eigenen Weg geht. Ich bin gespannt, wie sich Molwans Reise fortsetzt.

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