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© Forever

Ada Bailey

The Crane and the Nightjar

Nebelverhüllt (Bd. 1)

Forever (Ullstein) | 400 Seiten
ISBN: 978-3-9897805-9-0
Genre: Dark Fantasy, Romance | Tropes: Deadly Games, Strong Female Heroine, Rivals to Lovers, Morally Grey Hero, Hidden Identity, High Fantasy, Found Family | Altersempfehlung: ab 16
Klappentext: In den berüchtigten Kerkern von Raspa wartet die vermeintliche Diebin Zara auf ihre Hinrichtung. Doch dann verspricht der König ihr die Freiheit – unter einer Bedingung: Sie muss sich in seinem tödlichen Wettkampf gegen andere Verurteilte behaupten, um dann ein legendäres Relikt zu stehlen. Die Mission ist überaus waghalsig, ihre Gegner sind gefürchtete Verbrecher, und Zara weiß, ihre einzige Chance zu überleben ist eine Allianz mit ihrem Zellengenossen Crane. Dieser ist undurchschaubar, gefährlich – und verfolgt seine eigenen Ziele. Kann sie ihm wirklich vertrauen? Denn in diesem Spiel gibt es keine Gewinner. Höchstens Überlebende.
Transparenzhinweis: Diese Rezension basiert auf einem kostenlos zur Verfügung gestellten Leseexemplar durch netgalley.de .

Kurzbewertung

Handlung & Spannung:
ich konnte es kaum aus der Hand legen

Idee & Originalität:
Gefängnisse und Überlebenskampf in gefährlichen Aufgaben ist nicht neu, aber einfach perfekt umgesetzt

Cover & Aufmachung:
optisch stark, hochwertig, passend zum Inhalt

Charaktere & Entwicklung:
mit Tiefe, Ängsten, Wut und nachvollziehbarer Entwicklung

Schreibstil & Sprache:
handwerklich top, klar, zugänglich, atmosphärisch

Gesamtbewertung:

Als Rezensionsexemplar via NetGalley erhalten, bin ich mit Neugier an „The Crane and the Nightjar: Nebelverhüllt“ herangegangen. Was folgte, war eine der intensivsten Leseerfahrungen der letzten Monate. Ich habe das Buch innerhalb kürzester Zeit verschlungen und wurde dabei so fest gepackt, dass ich es kaum aus der Hand legen konnte. Die Geschichte fesselt von der ersten Seite an, baut eine beklemmende Atmosphäre auf und steigert die Spannung kontinuierlich bis zu einem Ende, das ich so einfach nicht erwartet hatte.

Gleichzeitig möchte ich klarstellen: Trotz der Verlagsankündigung als Romantasy-Dilogie handelt es sich hier in meinen Augen nicht um ein klassisches Romantasy-Werk. Die romantischen Elemente sind vorhanden, entwickeln sich jedoch langsam und für mich stehen sie auch nicht zwangsläufig primär im Vordergrund. Im Zentrum stehen Überleben, Verrat, Machtspiele und eine komplexe, düstere Welt. Wer ein leichtes, romance-lastiges Buch erwartet, wird hier etwas anderes bekommen: Etwas Intensiveres, Härteres und zugleich Faszinierenderes.

Handlung (spoilerfrei)

Zara hält sich nur an eine Regel: Vertraue niemandem. Besonders nicht Crane, der im Kampf um ihre Freiheit gleichzeitig das größte Risiko und ihre einzige Hoffnung darstellt. Nach einer Verhaftung wegen illegalen Glücksspiels landen beide in den giftigen Erzminen von Raspa, wo sie arbeiten sollen bis sie schließlich sterben.

Der König von Raspa wählt dann jedoch gezielt bestimmte Gefangene aus und zwingt sie in einen tödlichen Wettkampf. Vier extrem gefährliche Aufgaben müssen gemeistert werden, um am Ende die Freiheit zu erlangen. Die Mitstreiter sind ebenfalls Verbrecher, wodurch Allianzen zerbrechlich und Vertrauen ein Luxus sind, den sich niemand leisten kann.

Die Handlung ist rasant, verfällt jedoch nie in hektische Strukturen. Jede Aufgabe bildet einen eigenen, in sich geschlossenen Spannungsbogen, der die Figuren an ihre Grenzen bringt und die Welt schrittweise weiter enthüllt.

Charaktere und Entwicklung

Zara ist eine starke Protagonistin, die trotz ihrer angesprochenen Fähigkeiten, nie überheblich oder überzeichnet wirkt. Ihr Misstrauen ist tief verwurzelt und ihre Entscheidungen sind pragmatisch und von Überlebenswillen getrieben. Dazu kommt der Umstand, dass ihr langsam die Zeit davonrennt. Man spürt ihre Angst, ihre Wut und ihre verzweifelte Entschlossenheit auf jeder Seite. Ihre Entwicklung im Verlauf der Aufgaben ist glaubwürdig, denn sie lernt nicht plötzlich zu vertrauen, sondern wägt jeden Schritt sorgfältig ab.

Crane hingegen ist eine der faszinierendsten Figuren, die ich seit Langem gelesen habe. Undurchschaubar, gefährlich, charmant und gleichzeitig eiskalt kalkulierend. Er verfolgt eigene Ziele, die nur langsam ans Licht kommen. Die Dynamik zwischen Zara und ihm entwickelt sich quälend langsam, voller Misstrauen, widerwilliger Anziehung und kleiner, bedeutungsvoller Momente. Es ist keine klassische Romance, sondern eine Beziehung, die aus Notwendigkeit, Respekt und etwas Tieferem entsteht, das man nicht sofort benennen kann.

Die Nebenfiguren, die eingeführt werden, sind selbst am Anfang nicht einfach nur irgendwelche Namen am Rande. Sie erhalten alle viel Tiefe und ich habe mit ihnen mitgefiebert, dass sie ihre Aufgaben überleben, auch wenn mir bewusst war, dass es sich um Verbrecher handelt. Allerdings greift das Game of Thrones-Prinzip. Es ist einfacher nicht zu viel Sympathie aufzubringen, denn am Ende kommt es doch anders als man denkt.

Schreibstil und Worldbuilding

Ada Baileys Schreibstil ist bildhaft, atmosphärisch dicht und präzise. Sie beschreibt brutale und verstörende Szenen so lebendig, dass sie unter die Haut gehen, ohne dabei ins rein Schockierende abzugleiten. Die Perspektiven wechseln zwischen Zara und Crane.

Das Worldbuilding gehört zu den großen Stärken des Buches. Die Einschübe aus Almanachen, Lexika-Einträgen oder Spielregeln sind hervorragend platziert. Sie vermitteln Hintergrundwissen organisch, ohne den Lesefluss zu stören. Das Magiesystem der Nebler ist vielschichtig und konsequent durchdacht: Es gibt geborene Nebler mit starker, vererbter Magie und „gemachte“ Nebler, die Magie teuer erkaufen, aber alles hat eben seinen Preis. Jede Anwendung fordert ihren Tribut: Orientierungslosigkeit, Halluzinationen, Übelkeit, Erblindung, das Wachsen von Federn oder Krallen bis hin zu unstillbarem Appetit auf Menschenfleisch und das Verwandeln in seelenlose Monster. Die Klassen der Magie, die Unterschiede in Stärke je nach Abstammung und die körperlichen wie seelischen Konsequenzen machen das System gefährlich und glaubwürdig.

Die drei Königreiche – Nietal, Heerait und Raspa – erhalten genug Kontur, um neugierig auf weitere Enthüllungen zu machen. Politische Intrigen, alte Legenden um die drei Relikte und die gesellschaftlichen Folgen der Magie werden schrittweise eingeführt.

Meine Meinung (Achtung: Ab hier massive Spoiler)

Der kurze Prolog mit dem mysteriösen Mann und seinem Diener auf der Suche nach einem Nebler setzt sofort den Ton. Ich dachte auch, dass ich verstanden hätte, wer dort angedeutet worden ist, aber am Ende wurde ich dann doch eines Besseren belehrt, denn grundsätzlich ist nie einfach etwas so, wie es dann doch scheint.

Zara und Crane lernen sich beim illegalen Glücksspiel kennen, werden verhaftet und in die Erzminen geschickt. Zaras Vergiftung gibt der Geschichte von Beginn an eine drängende Zeitkomponente – ihre Haut wird dünn wie Papier, und ohne Gegenmittel bleiben ihr nur noch etwa 13 Tage.

Der König wählt gezielt Gefangene aus, die sich durch Diebstahl einen Namen gemacht haben. In den Kerkern erhalten sie keine Heilung, stattdessen werden sie in einen anonymen, maskierten Wettkampf mit weiteren Teilnehmern geworfen.

Bereits nach der ersten Aufgabe bilden sich zwar langsam Allianzen, aber es traut niemand wirklich seinem Bettnachbarn. Auch wenn Crane sich langsam öffnet und Zara mehr Preis gibt, bleibt er einfach undurchsichtig. Ich dachte später auch, als die Beiden durch das Schloss schleichen, dass ich wüsste, wer Crane wirklich ist und dass ich das Spiel durchschaut habe – selbst wenn es ein wirklich gut platzierter Hinweis war habe ich trotz allem niemals das Ende kommen sehen.

Die gestellten Aufgaben sind ebenso gnadenlos wie der König und immer dann, wenn eine Figur näher beleuchtet wird und man sie doch irgendwie ins Herz schließt … es kann halt auch einfach nicht jeder am Ende überleben, nicht? Selbst beim Plottwist nach der letzten Aufgabe und dem, was im Epilog passiert ist, bleibt so ein Gefühl zurück, dass ich einfach hoffe, in Band 2 noch mehr bekannte Figuren wieder zu sehen, nachdem ich mich schon von einigen verabschieden musste.

Ich weiß bis heute nicht genau, was ich von Crane halten soll. Er ist der beste, komplexeste Antagonist/antiheldische Love-Interest seit Langem. Er hat Zara quasi mehrfach fast zum Tode verurteilt, manipuliert und opfert sie letztlich für seine Position. Dennoch bleibt dieser hartnäckige innere Drang, dass die beiden in Band 2 vielleicht doch noch einen Weg zueinander finden könnten. War der Heiratsantrag des Prinzen Caladan von Crane initiiert? Ein letzter Schachzug? Oder wird Crane tatsächlich zum Hauptantagonisten des zweiten Bandes? Diese Ungewissheit ist brillant.

Zaras Gefühle – Verrat, Wut, Trauer und restliche Anziehung – sind hervorragend porträtiert. Das Ende mit Prinz Caladan als neuem Faktor (Rache und Heiratsangebot) lässt einen mit einem starken Cliffhanger zurück.

Fazit

„The Crane and the Nightjar: Nebelverhüllt“ ist ein beeindruckender, düsterer und hochspannender Auftakt einer Dilogie. Ada Bailey überzeugt mit starkem Worldbuilding, vielschichtigen Charakteren und einer gnadenlosen Handlung, die niemanden schont. Crane und Zara bleiben lange im Kopf, die Welt der Nebler fasziniert und das Ende sorgt für akuten Band-2-Muss-Ich-Haben-Effekt.

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