Yunuyei
Dragon's Destiny
Band 1: Erwachen
gesprochen von: Franciska Friede und Vincent Fallow
Kurzbewertung
Handlung & Spannung:
Idee & Originalität:
Cover & Aufmachung:
Charaktere & Entwicklung:
Schreibstil & Sprache:
Gesamtbewertung:
Als Laki in einem fremden Wald erwacht, hält sie die Situation zunächst für eine weitere Prüfung ihrer Ausbildung. Doch der Körper, in dem sie steckt, gehört nicht mehr zu ihr. Spitze Ohren und feuerrotes Haar markieren den Unterschied, und die Welt um sie herum befindet sich mitten in einem Krieg. Was folgt, ist der Beginn einer Reise, die sie mit dem Drachenvolk Angehörigen Re-Ju zusammenführt, einer Prinzessin und einer Piratenanführerin. Die Geschichte entfaltet sich in einer Welt voller geflügelter Wesen, Tiermenschen und Fraktionen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Ohne Spice und mit einem klaren Fokus auf Charakterbeziehungen und Weltaufbau startet hier eine Reihe, die von Anfang an spürbar Herzblut in jedes Detail steckt.
Handlung
Laki findet sich in einer Welt wieder, die nicht die ihre ist. Ihr Körper hat sich verändert, und das Land, in dem sie nun zurechtkommen muss, steht unter dem Druck eines Krieges. Früh begegnet sie Re-Ju, einem Reisenden aus dem scheinbar gehassten Drachenvolk. Er wirkt hilfsbereit und naiv, ein absoluter Sonnenschein, solange er nicht hungrig ist. Gemeinsam treffen sie auf die Prinzessin Ar-ya, die mit ihrem Leibwächter Keno auf der Flucht vor dem Kaiser ist. Die Gruppe sucht einen sicheren Ort, doch die Umstände treiben sie weiter. Mit der Hilfe von Piraten stechen sie schließlich in See. Die Handlung bleibt dabei eng an den Figuren und ihren Entscheidungen, ohne unnötige Umwege, und lässt Raum für die wachsenden Verbindungen zwischen ihnen, während die äußere Bedrohung stetig spürbar bleibt.
Charaktere und Entwicklung
Laki trägt ihren Namen nur als Notbehelf. Ihr wirklicher Name bleibt vorerst ungenannt, und das passt zu der Figur. Sie stammt aus einer Welt, in der Magie und Militärschule Alltag waren. Deshalb findet sie sich erstaunlich schnell zurecht, kämpfen und magische Grundlagen muss sie nicht erst lernen. Trotzdem schleppt sie eine schwierige Vergangenheit mit sich herum, die zwischen den Zeilen durchscheint. Sarkastisch, sympathisch und mit Zweifeln ausgestattet, bleibt sie greifbar. Es wird klar, dass in Band zwei noch mehr über sie ans Licht kommen wird.
Re-Ju ist zweiundzwanzig, wirkt durch seine herzliche und teils naive Art aber jünger. Er kann zwischen menschlicher und drachenartiger Gestalt wechseln. Das Drachenvolk wurde nahezu ausgerottet, nachdem einer der Ihren die Welt einst an den Rand der Zerstörung gebracht hatte. Entsprechend reagieren die Menschen, sobald sie seine Herkunft erfahren. Re-Ju bleibt dennoch ein Sonnenschein, der vermutlich schon einiges erlebt hat. Sein Appetit ist legendär, und ohne Essen wird er grummelig. Diese Eigenschaft macht ihn auf eine unkomplizierte Weise liebenswert.
Keno kam vor fünf Jahren aus einer anderen Welt und ist ebenfalls zweiundzwanzig. Als Illusionsmagier und Leibwächter von Ar-ya hat er die fremde Sprache und Schrift erst lernen müssen. Seine ständige Nähe zur Prinzessin und die gemeinsame Vergangenheit mit Laki belasten die Stimmung zwischen den einzelnen Charakteren. Aktuell bleibt er die Figur, bei der ich hoffe, dass noch etwas Gutes zum Vorschein kommt, weil er in der neuen Welt genauso zu kämpfen hat wie andere in seiner Heimat.
Ar-ya ist siebzehn und durch den Krieg bereits Thronfolgerin von Varyndar. Auf der Flucht vor dem Kaiser wirkt sie verängstigt, legt aber trotzdem Allüren an den Tag. Der Einstieg mit ihr fällt deshalb nicht leicht. Im Kern steckt jedoch eine herzliche Heilerin in ihr, die Potenzial hat, über sich hinauszuwachsen. Die Verbindung zu Keno ist eng: Sie sieht in ihm einen großen Bruder und Beschützer, während seine Gefühle in eine andere Richtung gehen.
Mana stößt später als Anführerin der Piraten zur Gruppe. Ihre sarkastische, direkte und zugleich herzliche Art vermittelt von Anfang an das Gefühl, dass sie jederzeit ohne Zögern töten könnte. Gerade diese Mischung macht sie interessant, und ich wünsche, mehr von ihr zu sehen, weil da noch viel ungenutztes Potenzial steckt.
Schreibstil, Worldbuilding usw.
Die Autorin hat eine eigene Sprache für ihre Welt erfunden und streut die Begriffe so ein, dass jeder sie aus dem Zusammenhang versteht. „Shra“ für Schlampe ist nur ein Beispiel. Der Stil bleibt klar und direkt, ohne verschachtelte Konstruktionen. Humor, wie ich ihn aus Mangas kenne, steckt in den Dialogen und den kleinen Beobachtungen. Ich hatte beim Lesen bzw. Hören des Hörbuchs sofort Bilder vor Augen.
Das Worldbuilding ist groß angelegt. Fraktionen, Völker und die Geschichte des Drachenvolkes werden nach und nach enthüllt, ohne dass das Gefühl aufkommt, mit Infodumps erschlagen zu werden. Verschiedene Perspektiven eröffnen zusätzlich den Blick auf die Gegenseite. Die Generäle und ihre Pläne bekommen eigene Szenen, sodass die Antagonisten nicht flach bleiben. Sie besitzen Hintergründe, Familien und eigene Motivationen. Das Potenzial für eine längere Reihe ist spürbar, selbst wenn die Geschichte um Laki irgendwann enden sollte.
Das Hörbuch mit Franciska Friede und Vincent Fallow setzt das alles stark um. Trotz der vielen Figuren bleiben die Übergänge klar, die Emotionen greifbar und die Stimmen gut voneinander abgegrenzt. Das Begleitheft mit Zeichnungen und Zusatzinformationen unterstreicht, wie viel Mühe in dem Projekt steckt.
Meinung
Die Geschichte nimmt sich Zeit für die Figuren, ohne dass es langweilig wird. Laki und Re-Ju tragen den Anfang, und ihre Dynamik funktioniert direkt. Re-Ju bleibt der emotionale Anker, gerade weil er trotz seiner Herkunft und der Vorurteile, denen er begegnet, so offenherzig bleibt.
Keno bleibt vorerst der Wermutstropfen. Seine Vergangenheit mit Laki und die Art, wie er damit umgeht, machen ihn schwer zugänglich. Die Teenager-Ausrede zieht nicht, und ich stehe eher auf Lakís Seite bzw. Karins Seite, wenn es bei Mobbing, Ausgrenzung und dessen Folgen überhaupt Seiten gibt. Gleichzeitig ist es interessant zu sehen, dass auch er in der neuen Welt nicht von Anfang an zurechtkam. Vielleicht öffnet sich da noch etwas.
Ar-ya hat bei mir ein wenig Anlauf gebraucht bis ich sie mochte. Die Allüren und die Angst vor der weiten Welt machen den Einstieg holprig, doch die Heilerin darunter und die Beziehung zu Keno geben ihr Tiefe. Die unausgeglichene Gefühlslage zwischen den beiden bleibt ein offener Faden, der in die nächsten Bände hineinreicht.
Mana kommt spät, stiehlt dafür aber sofort die Show. Ihre Direktheit und die unterschwellige Gefahr, die von ihr ausgeht, passen perfekt in die Gruppe. Ich hoffe, dass sie nicht nur als Helferin dient, sondern eigene Story-Blögen bekommt.
Die Mehrfachperspektiven auf die Feindesseite funktionieren gut. Die Generäle wirken nicht wie reine Bösewichte, sondern wie Wesen mit Plänen, Familien und eigenen Zwängen. Das macht die Bedrohung greifbarer. Die angedeuteten Rebellen und die Frage, ob bestimmte Figuren auf der „bösen“ Seite bleiben oder noch kippen, halten die Spannung hoch.
Gefühlstechnisch endet der Band an einem Punkt, an dem ich wissen will, wie es zwischen einzelnen Figuren weitergeht. Die Andeutungen zu Lakís Vergangenheit und dem möglichen Twist in Band zwei sitzen dabei genau richtig, um nicht frustriert nach Band 1 wegen der Wartezeit aufzugeben und einfach ein wenig auf die Fortsetzung zu hibbeln.
Fazit
Der Auftakt legt ein für mich perfektes Fundament aus Figuren, Welt, offenen Fragen und bereits gegebenen Antworten. Die Mischung aus persönlicher Vergangenheit, Krieg und den kleinen Alltagsmomenten zwischen den Charakteren ist sehr gut abgewogen. Besonders die eigene Sprache, die klaren Dialoge und die sorgfältige Ausarbeitung der Nebenfiguren bleiben im Gedächtnis. Das Hörbuch und das Begleitheft runden den Eindruck ab, dass hier jemand mit echtem Einsatz gearbeitet hat.