Capcom
Resident Evil
Requiem
Kurzbewertung
Gameplay & Steuerung:
Story & Setting:
Charaktere & Dialoge:
Grafik & Sounddesign:
Menüführung & Tutorials:
Gesamtbewertung:
„Resident Evil Requiem“ gehört zur Survival-Horror-Reihe von Capcom und setzt die Geschichte rund um die Folgen der Raccoon-City-Katastrophe fort. Das Spiel führt die Handlung 28 Jahre nach der Zerstörung der Stadt weiter. Die Spielwelt umfasst verschiedene bereits bekannte und auch unbekannte Orte rund um und mitten in Raccoon City. Überall spürt man die Spuren und neue Einflüsse. Capcom hat hier bewusst Orte gewählt, die an die frühen Titel der Serie erinnern und gleichzeitig Raum für aktuelle Erzählungen bieten.
Was mich an diesem Game besonders gereizt hat, war die Mischung aus klassischem Survival-Horror und actionreicheren Sequenzen. Der Grafikstil setzt auf realistische, düstere Umgebungen mit starker Beleuchtung und detaillierten Materialien. Die Mechaniken versprechen einen Wechsel zwischen vorsichtigem Schleichen und direkter Konfrontation, was mich neugierig gemacht hat. Die ersten Eindrücke aus Trailern und Demo-Materialien zeigten eng gebaute Innenräume, bedrohliche Gegner und den Wechsel zwischen einer neuen Figur und dem bekannten Leon S. Kennedy. Ich erwartete ein Spiel, das Nostalgie mit modernen Elementen verbindet und die Serie würdigt.
Die Charaktere bieten unterschiedliche Identifikationsmöglichkeiten. Grace Ashcroft ist eine junge FBI-Analytikerin, die durch die Ereignisse um ihre Mutter mit der Vergangenheit von Raccoon City verbunden ist. Leon S. Kennedy kehrt als erfahrener Agent zurück, gezeichnet von den Jahrzehnten des Kampfes gegen Biohazard-Bedrohungen. Beide Figuren tragen die Handlung und erlauben unterschiedliche Zugänge zur Geschichte.
Spielprinzip
Alles beginnt damit, den Ursachen einer Reihe mysteriöser Todesfälle unter Überlebenden des Raccoon-City-Ausbruchs nachzugehen. Dabei stößt man auf Verbindungen zu alten Experimenten und einer neuen Bedrohung, die aus den Nachwirkungen des T-Virus entsteht. Der Spieler übernimmt abwechselnd die Kontrolle über Grace und Leon. Bei Grace steht das vorsichtige Vorgehen im Vordergrund. Man bewegt sich langsam durch die Umgebungen, nutzt Ablenkungen wie zerbrochene Flaschen oder Lichtquellen und versucht, direkte Kämpfe zu vermeiden (und das sollte man auch, denn Grace ist definitiv keine Kämpferin und auch mit Upgrades ist es teilweise mühsam unendlich oft auf Gegner schießen zu müssen bis sie kapitulieren). Ressourcen sind knapp, das Inventar begrenzt (verdammt begrenzt bis endlich alle Upgrades zusammen sind), und man muss Rätsel lösen, während man auf Geräusche und Bewegungen der Gegner achtet. Leon übernimmt die actionlastigeren Abschnitte. Hier stehen Schusswaffen, Nahkampf (yes, eine Axt!) und ein größeres Arsenal im Mittelpunkt. Man räumt Gruppen von Gegnern auf und kommt schneller voran. Beide Figuren erlauben den Wechsel zwischen Ego- und Third-Person-Perspektive, was die Wahrnehmung der Umgebung und der Bedrohungen verändert. Die Rolle des Spielers ist die eines Ermittlers und Überlebenden, der die beiden Handlungsstränge zusammenführt und die Wahrheit hinter den Ereignissen aufdeckt. Das Spielprinzip bleibt durchgehend auf Spannung und Ressourcennutzung ausgelegt, ohne dass größere Abweichungen vom Kern der Serie stattfinden.
Story und Charaktere
Die Geschichte wird linear erzählt. Die Abschnitte wechseln zwischen Grace und Leon, ohne verzweigte Pfade oder weitreichende Entscheidungen, die den Verlauf grundlegend verändern. Der Fokus liegt auf einer durchgehenden Erzählung, die Vergangenheit und Gegenwart der Serie miteinander verknüpft. Capcom greift Elemente aus früheren Titeln auf und verbindet sie mit der aktuellen Handlung um die Folgen der Raccoon-City-Katastrophe. Es gibt keine stark episodische Struktur, sondern einen fortlaufenden Bogen, der die beiden Protagonisten schrittweise zusammenführt, trennt und wieder zusammenführt.
Die Charaktere sind solide ausgearbeitet. Grace wirkt anfangs unsicher und überfordert, was zu ihrer Rolle als Neueinsteigerin passt. Ihre Entwicklung über den Verlauf des Spiels hinweg ist spürbar, auch wenn sie nicht bei jedem den gleichen Anklang findet. Und ja… Mir ging Grace etwas leidende Art und das „Stöhnen“ im Hintergrund, wen sie atmet wirklich auf den Zeiger, anders kann ich es nicht ausdrücken, ABER ich liebe einfach Schleich-Abschnitte. Auch wenn mir meine Namensgefährtin „Marie“ den letzten Nerv geraubt hat, weil sie einfach nicht sterben wollte.
Leon bringt die gewohnte Mischung aus Pflichtbewusstsein, Sarkasmus und Härte mit. Die Beziehungen zwischen den Figuren entwickeln sich über gemeinsame Erfahrungen, bleiben aber eher funktional und dienen dem Fortgang der Handlung. Dialoge sind meist zweckmäßig und tragen die Geschichte voran. Die Synchronisation sitzt gut und unterstreicht die Emotionen in angespannten Momenten. Großartige Heldenmomente werden sparsam eingesetzt, und die emotionalen Momente wirken glaubwürdig, ohne übertrieben zu wirken. Die Vielfalt der Figuren hält sich in Grenzen, der Fokus liegt klar auf den beiden Hauptprotagonisten und den Gegenspielern, die die Bedrohung verkörpern.
Meine Meinung
Das Gameplay läuft flüssig. Die Steuerung ist präzise, und es gibt kaum spürbare Ladezeiten oder längere Leerlaufphasen. Das Tempo wechselt bewusst zwischen langsamen, angespannten Phasen und schnelleren Action-Sequenzen. Bei Grace dominiert das vorsichtige Schleichen, bei Leon die direkte Konfrontation. Beide Stile greifen ineinander und verhindern, dass das Spiel eintönig wird. Multiplayer oder Koop gibt es nicht. Es handelt sich um ein reines Einzelspieler-Erlebnis ohne Community-Features oder PvP. Die Mechaniken sind klar skill-basiert. Erfolg hängt von guter Beobachtung, Ressourcenplanung und dem richtigen Timing ab. Wer unvorsichtig ist, wird bestraft, wer sich Zeit nimmt und die Umgebung aufmerksam liest, kommt gut voran.
Grafik und Sounddesign gehören zu den Stärken. Die Engine liefert detaillierte Umgebungen mit starker Beleuchtung und realistischen Materialien. Die Ruinen von Raccoon City und die eng gebauten Innenräume wirken lebendig und bedrohlich. Das Sounddesign unterstützt die Atmosphäre hervorragend. Schritte, entfernte Geräusche und die Reaktionen der Gegner sorgen dafür, dass man ständig auf der Hut ist. Die technischen Umsetzung ist sauber und stabil.
Storytelling und Atmosphäre sind spannend und stellenweise emotional. Die Nostalgie für die frühen Ereignisse der Serie ist deutlich spürbar und trägt viel zur Stimmung bei. Humor kommt nur sparsam vor und bleibt meist trocken. Die Charaktere und Dialoge sind gut geschrieben und solide synchronisiert. Grace hat mich mit ihrer Art dezent den Nerv geraubt. Ihre ständige Nervosität und die Art, wie sie manches ausspricht, wirkten manchmal etwas aufgesetzt. Gleichzeitig mochte ich die Rumschleichteile mit ihr besonders. Man bewegt sich langsam, horcht auf jedes Geräusch und versucht, den Stalkern und Zombies aus dem Weg zu gehen. Hier fühlt sich der Survival-Horror am dichtesten an. Die Leon-Abschnitte sorgen für Abwechslung und lassen einem Luft zum Durchatmen, auch wenn sie stellenweise etwas vorhersehbar ablaufen. Aber immerhin darf man schlicht auch mal mit der Axt drauf kloppen oder eine Kettensäge aufheben und etwas metzeln.
Was das Spiel einzigartig macht, ist der bewusste Wechsel zwischen zwei sehr unterschiedlichen Spielstilen innerhalb einer durchgehenden Geschichte. Capcom verbindet hier die intensivere Horror-Erfahrung der neueren Teile mit der actionreicheren Tradition der älteren. Für mich war „Resident Evil Requiem“ ein eher gutes Spiel, das stark vom Nostalgiegefühl lebt. Die Rückkehr nach Raccoon City und die vielen Anspielungen auf frühere Ereignisse erzeugen genau diesen Wiedererkennungswert, den man sich von einem Jubiläumstitel erhofft.
Fazit
„Resident Evil Requiem“ eignet sich für Spieler, die Survival-Horror mögen und gleichzeitig Abwechslung zwischen Spannung und Action schätzen. Story-Fans kommen auf ihre Kosten, weil die Handlung die Serie zurück zu ihren Wurzeln führt und alte Fäden aufgreift. Hardcore-Spieler finden in den knapperen Ressourcen und den anspruchsvolleren Schleichpassagen genug Herausforderung, während Casual-Gamer auf einfacheren Einstellungen ebenfalls zurechtkommen. Mein persönliches Highlight waren die Schleichabschnitte mit Grace. Trotz der leichten Irritation über ihren Charakter haben genau diese Phasen den stärksten Eindruck hinterlassen. Die Spannung, wenn man hinter einer Ecke wartet und auf das richtige Timing hofft, funktioniert hervorragend.
Ich empfehle das Spiel. Es ist ein gelungener Beitrag zur Reihe, der Nostalgie und aktuelle Mechaniken sinnvoll verbindet und insgesamt überzeugend bleibt. Es gibt berührende und überraschende Momente, vor allem wenn die persönliche Vergangenheit der Figuren mit den größeren Ereignissen um Raccoon City zusammentrifft und die Konsequenzen der alten Katastrophe greifbar werden. Das Spiel hält die Balance zwischen Altbekanntem und neuen Elementen und liefert eine Erfahrung, die man als Fan der Serie gerne mitnimmt.