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soundofhearts

Liz Rosen

Sound of Hearts

Der Tod lauert im Meer

Lycrow Verlag (2025) | 450 Seiten
ISBN: 978-3690283908
Genre: Dark Romantasy | Altersempfehlung: ab 18
Tropes: Dark Fairy Tale Retelling, Mermaid, Forced Proximity, Dual POV, Morally Gray Characters, Prophecy, Deal with the Sea Witch, Dying Hero, Captive Romance, Enemies to Lovers, Selfish Protagonists, Environmental Themes, Explicit Scenes,  Survival at Any Cost
Klappentext:

Er raubte ihre Freiheit, zerstörte ihr Vertrauen und stahl ihr Herz – doch sie war die Einzige, die sein Leben retten konnte.

Unsterblich sein – das ist es, was alle Männer an Bord der Sea Serpent wollen. Laut der Prophezeiung fehlt ihnen dafür nur noch das liebende Herz einer Meerjungfrau. Bei der Jagd auf die Kreaturen des Meeres geht ihnen ausgerechnet die jüngste Tochter des Meerkönigs ins Netz. Dass ihr Fang jedoch kein Zufall ist, bemerken die Männer zu spät, denn statt dem ewigen Leben ereilt plötzlich der Tod die Besatzung. Denn Ariella hat einen unlösbaren Pakt mit der Meerhexe geschlossen und ist gezwungen, das Meer vor Eindringlingen zu beschützen – auch wenn das bedeutet, den Mann zu töten, dem sie einst ihr Herz geschenkt und das Leben gerettet hat.

Kurzbewertung

Handlung & Spannung:

Idee & Originalität:

Cover & Aufmachung:

Charaktere & Entwicklung:

Schreibstil & Sprache:

Gesamtbewertung:

Liz Rosen liefert mit „Sound of Hearts“ eine düstere Märchenadaption, die weit über das vertraute Motiv der Meerjungfrau hinausgeht. Die Geschichte spielt in einer Welt, in der Menschen und Meeresbewohner in einem tödlichen Konflikt stehen. Piraten jagen Meerjungfrauen, weil deren Herzen laut einer alten Prophezeiung jede Krankheit heilen sollen. Mitten hinein gerät Ariella, die jüngste Tochter des Meerkönigs. Was als klassische Begegnung zwischen zwei Welten beginnt, entfaltet sich zu einer Erzählung voller moralischer Abgründe. Die Figuren bewegen sich durchweg in Grauzonen. Niemand ist rein gut oder böse. Jeder kämpft ums eigene Überleben oder das eines Angehörigen. Genau diese Ambivalenz macht den Reiz des Romans aus. Die Geschichte wirft Fragen auf, die mich wirklich lange beschäftigt haben: Wie weit darf man gehen, um nicht zu sterben? Und was rechtfertigt den Tod eines anderen, wenn man selbst oder jemand Nahestehendes vom Tod bedroht ist?

Handlung

Die Handlung setzt ein, als Ariella den menschlichen Prinzen Elric vor dem Ertrinken rettet. Jahre später hat sich Elric vom Thronerben zum Piraten der Sea Serpent gewandelt. An Bord versammelt er zusammen mit Kapitän Salazar eine Mannschaft, die ausnahmslos mit schweren Erkrankungen kämpft. Er selbst steht kurz vor dem Tod. Getrieben von der Prophezeiung, dass nur das liebende Herz einer Meerjungfrau Heilung bringen kann, jagen die Männer die Kreaturen des Meeres.

Ariella beobachtet die Zerstörung, die die Menschen anrichten. Fischfang, Verschmutzung und die Gier nach den angeblichen Heilkräften der Meereswesen bedrohen ihr Volk. Um die Absichten der Crew zu durchschauen und das Meer zu schützen, schließt sie einen Pakt mit der Meerhexe. Sie begibt sich an Bord der Sea Serpent und wird Teil der menschlichen Welt. Was folgt, ist ein gefährliches Spiel aus Nähe und Täuschung. Ariella verfolgt ihre eigenen Ziele.

Charaktere und Entwicklung

Ariella und Elric stehen im Mittelpunkt, und beide sind weit entfernt von klassischen Helden. Ariella ist (oh Wunder) Vegetarierin und verabscheut den Umgang der Menschen mit dem Meer und seinen Bewohnern. Ihre Loyalität gilt zunächst ihrem Volk und dem Schutz der Unterwasserwelt. Gleichzeitig entwickelt sie Gefühle für den Mann, den sie einst gerettet hat, nun aber töten will, wenn er wüsste, wer sie wirklich ist. Diese Zerrissenheit treibt sie an. Sie handelt nicht aus reiner Selbstlosigkeit. Ihre Entscheidungen sind von dem Wunsch geprägt, das zu bewahren, was sie liebt, und gleichzeitig dem Pakt gerecht zu werden, den sie eingegangen ist.

Elric ist ein Prinz, der unter dem Druck seines Vaters und der eigenen Krankheit leidet. Die Krone verlangt einen Erben, doch sein Körper versagt. An Bord der Sea Serpent führt er eine Mannschaft, deren Mitglieder alle mit dem Tod ringen. Seine Motivation ist klar: Er will leben. Als er mit Ariella intim wird und dabei keine Verhütung nutzt, denkt er ganz bewusst an die Möglichkeit eines königlichen Nachfolgers, falls er sterben sollte. Diese Haltung macht ihn weder zum Bösewicht noch zum reinen Opfer. Er ist ein Mann, der um sein Überleben kämpft und dabei die Konsequenzen für andere in Kauf nimmt.

Die Nebenfiguren der Crew verstärken diesen Eindruck. Jeder an Bord trägt seine eigene Krankheit und seine eigene Verzweiflung. Es gibt keine klaren Schurken. Die Männer jagen Meerjungfrauen, weil sie glauben, dadurch gerettet zu werden. Ariella wiederum beginnt, die Besatzung nach und nach zu eliminieren. Für sie sterben die Männer ohnehin an ihren Leiden. Der Unterschied liegt nur im Zeitpunkt und in der Art des Todes. Diese gegenseitige Instrumentalisierung sorgt dafür, dass keine Figur ungebrochen positiv oder negativ erscheint. Beide Protagonisten bleiben stark auf sich und ihre jeweiligen Ziele fokussiert. Die Beziehung, die sich zwischen ihnen entwickelt, ist deshalb keine klassische Liebesgeschichte. Sie entsteht aus Notwendigkeit, Nähe und dem gemeinsamen Wissen um die eigene Vergänglichkeit.

Schreibstil, Worldbuilding usw.

Liz Rosen schreibt in einem klaren, bildhaften Stil, der die Atmosphäre an Bord und unter Wasser gleichermaßen greifbar macht. Die Dualperspektive zwischen Ariella und Elric funktioniert gut. Der Leser erfährt die inneren Rechtfertigungen beider Seiten und versteht, warum jede Figur handelt, wie sie handelt. Die Sprache bleibt zugänglich, ohne in übertriebene Dramatik abzurutschen.

Das Worldbuilding verbindet märchenhafte Elemente mit einer erstaunlich modernen Anmutung. Das Schiff, die Crew und die Art, wie die Figuren sprechen und denken, wirken nicht wie aus einer entfernten Vergangenheit. Gleichzeitig bleibt die magische Ebene des Meeres und der Meerhexe präsent. Die Kritik am Fischfang und am Umgang der Menschen mit dem Ozean ist fest in die Handlung integriert. Ariellas vegetarische Haltung und ihre Abscheu vor dem Töten von Meerestieren sind keine Beigabe, sondern treiben ihre Entscheidungen. Die Prophezeiung und der Pakt mit der Meerhexe schaffen klare Regeln, innerhalb derer die Figuren agieren müssen. Das Setting fühlt sich geschlossen an. Die Gefahr an Bord der Sea Serpent ist ständig spürbar. Krankheit, Misstrauen und die Frage, wer wen als Mittel zum Zweck betrachtet, bestimmen den Alltag auf dem Schiff.

Meinung

Die Geschichte verzichtet darauf, einfache Antworten zu geben. Ariella tötet Mitglieder der Crew. Für sie handelt es sich um Menschen, die das Meer ausbeuten und die ohnehin dem Tod geweiht sind. Gleichzeitig rettet sie Elric einst und entwickelt Gefühle für ihn. Elric wiederum ist bereit, das Herz einer Meerjungfrau zu nehmen, um selbst weiterzuleben und seinem Vater einen Erben zu sichern. Als er mit Ariella schläft, kalkuliert er bewusst die Möglichkeit einer Schwangerschaft ein. Beide agieren egoistisch, und doch erscheinen ihre Motive nachvollziehbar.

Die moralische Grenze verschiebt sich mit jeder Entscheidung. Darf man ein Leben nehmen, um das eigene zu verlängern? Was ändert sich, wenn man die Reise angetreten hat, um einen Angehörigen zu retten? Ariella und Elric spiegeln sich in diesen Fragen. Keiner von beiden opfert sich bedingungslos. Beide wollen überleben und das bewahren, was ihnen wichtig ist. Die Beziehung, die daraus entsteht, bleibt deshalb ambivalent. Sie ist intensiv, körperlich und emotional, aber nie frei von Berechnung. Die expliziten Szenen unterstreichen diesen Aspekt. Sie sind nicht bloß Beiwerk, sondern zeigen, wie eng Nähe und Zweckdenken beieinanderliegen.

Das moderne Setting verstärkt die Wirkung. Die Themen Fischfang, Ausbeutung des Meeres und der Umgang mit Krankheit wirken aktuell, ohne dass die Geschichte in Belehrung abgleitet. Ariellas Abscheu vor dem Essen von Fischen und die Darstellung der kranken Crew machen die Konflikte greifbar. Gleichzeitig bleibt Raum für die märchenhafte Ebene. Der Pakt mit der Meerhexe und die Prophezeiung setzen den Figuren klare Grenzen. Innerhalb dieser Grenzen handeln sie jedoch mit einer Konsequenz, die unbequem ist. Genau das macht den Roman lesenswert. Er zwingt dazu, die eigenen Maßstäbe zu hinterfragen, ohne eine eindeutige Haltung vorzugeben.

Fazit

„Sound of Hearts“ ist eine düstere, moralisch komplexe Geschichte über zwei Figuren, die in einem System aus Krankheit, Gier und Überlebenskampf agieren. Die Grauzonen, in denen sich Ariella und Elric bewegen, tragen die Erzählung. Beide bleiben bis zum Ende konsequent in ihrem Fokus auf sich selbst und ihre jeweiligen Ziele. Die Geschichte verzichtet auf einfache Helden und einfache Lösungen. Stattdessen stellt sie Fragen nach dem Wert eines Lebens und den Grenzen dessen, was man für das eigene Überleben oder das eines anderen in Kauf nimmt.

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