Supergirl
The World
Kurzbewertung
Handlung & Spannung:
Idee & Originalität:
Cover & Aufmachung:
Charaktere & Entwicklung:
Schreibstil & Sprache:
Gesamtbewertung:
Supergirl ist gerade wieder präsenter denn je. Der neue Film läuft, und parallel dazu legt DC mit „Supergirl: The World“ eine internationale Anthologie vor. 13 Länder, 13 eigenständige Kurzgeschichten, jeweils von Teams aus dem jeweiligen Land. Kara Zor-El reist in diesen Geschichten um die Welt, rettet Menschen und lernt dabei auch immer etwas über den Planeten, den sie inzwischen Heimat nennt. Bei einer Sammlung mit so vielen Stimmen ist klar, dass nicht jeder Beitrag gleich stark sein kann. Manche bleiben eher flach, andere treffen dagegen punktgenau.
Wir bewegen uns in den kurzen Storys in den folgenden Ländern: Kolumbien, Deutschland, Mexiko, Polen, Frankreich, Türkei, Finnland, Kamerun, Argentinien, Serbien, Italien, Spanien, Vereinigte Staaten.
Handlung (spoilerfrei)
Die Rahmenidee ist einfach und funktioniert. Supergirl bewegt sich von Land zu Land und gerät in Situationen, die jeweils den Charakter des Ortes und der lokalen Kultur spiegeln. Es geht um Rettungen, Begegnungen und kleine Konflikte, die in wenigen Seiten erzählt werden. Manche Geschichten bleiben nah am Alltagsleben, andere greifen zu größeren Themen. Kara hilft, beobachtet und mischt sich ein, ohne dass eine durchgehende Handlungssträhne die Einzelstücke zusammenbindet. Der Band lässt die Beiträge nebeneinander stehen und zeigt dadurch, wie unterschiedlich man die Figur interpretieren kann.
Die meisten Storys basieren dabei auf dem Unterhaltungsfaktor und versuchen dabei nicht übermäßig zu belehren oder den Zeigefinger wegen aktueller politischer Lagen oder generellen Missständen zu erheben, aber hier und da sickert dann doch stärker dieser Moralaspekt durch und ich bin mir ehrlich unsicher, ob ich das bei reiner Unterhaltungskunst wirklich immer brauche.
Charaktere und Entwicklung
Kara bleibt in den meisten Beiträgen die vertraute Figur: stark, hilfsbereit, manchmal unsicher, oft mit einem Blick für die Menschen um sie herum. Weil die Geschichten kurz sind, bleibt wenig Raum für tiefe Entwicklung. Stattdessen zeigen die Teams unterschiedliche Facetten. Manchmal wirkt sie nahbar und etwas verloren, manchmal resolut und klar. In der deutschen Geschichte bekommt sie einen etwas gewissen, doch eher amüsanteren Ton, der sich auch im Zeichenstil spiegelt. Ein bisschen hatte ich auch das Feeling vom Passierschein A38. Die Seitenhiebe gegen politische Strukturen und Behörden sitzen gut und sorgen für ein paar trockene Momente, die man so in amerikanischen Supergirl-Geschichten selten liest.
Schreibstil, Worldbuilding und Zeichenstil
Die Stärke des Bandes liegt in der Vielfalt der Schreib- und Zeichenstile. Jedes Team bringt seinen eigenen Look mit. Manche Seiten wirken klar und modern, andere verspielter oder dunkler. Marie Sann zeichnet den deutschen Beitrag mit einem weichen, ausdrucksstarken Strich, der Kara ein wenig kindlich wirken lässt. Die Berliner Kulisse ist erkennbar, ohne dass jedes Wahrzeichen plakativ ausgestellt wird. Yann Krehl schreibt knappe Dialoge und lässt die ironischen Bemerkungen unaufgeregt einfließen – typisch deutscher Humor, den wohl nicht jeder mag. Andere Beiträge setzen stärker auf Emotion oder Action. Manche bleiben oberflächlich, andere finden einen klaren Ton. Insgesamt liest sich der Band abwechslungsreich, auch wenn die Qualität schwankt. Das gehört bei Anthologien dazu.
Meinung (mit Spoilern)
Bei einer Anthologie mit fünfzehn Beiträgen ist klar, dass nicht alles gleichermaßen treffen kann. Gerade die unterschiedlichen Zeichenstile sorgen dafür, dass für fast jeden Geschmack etwas dabei ist. Manche Seiten wirken klar und modern, andere weicher oder experimenteller. Das macht den Band abwechslungsreich, führt aber auch dazu, dass einzelne Geschichten schwächer wirken als andere. Für mich gehörten der deutsche Beitrag von Yann Krehl und Marie Sann, der mexikanische und der französische zu den stärkeren. Der finnische Teil überzeugte vor allem durch den Zeichenstil, die Story blieb etwas blasser. Andere Geschichten haben mich weniger angesprochen, ohne dass ich sie deswegen schlecht finden würde. So ist das bei Sammlungen. Man nimmt die Beiträge mit, die im Kopf bleiben, und lässt die anderen stehen. Insgesamt bleibt der Eindruck einer lebendigen, vielstimmigen Sammlung, die Kara aus unterschiedlichen Blickwinkeln zeigt.
Fazit
„Supergirl: The World“ ist eine abwechslungsreiche Sammlung, die Kara Zor-El durch unterschiedliche kulturelle Linsen zeigt. Die Qualität der Beiträge schwankt, wie bei Anthologien üblich. Manche bleiben blass, andere treffen. Der deutsche Beitrag von Yann Krehl und Marie Sann sticht durch seine trockenen Seitenhiebe für mich eben auch heraus. Wer den Band wegen der internationalen Vielfalt liest, bekommt genau das: viele Stimmen, viele Zeichenstile und eine Figur, die sich in unterschiedlichen Umgebungen behauptet. Für mich hat sich das Lesen gelohnt, auch wenn nicht jeder Text gleich stark war.