Jouku Kawakami
Furcht: Horrorgeschichten aus dem modernen Japan
Band 3 von 8
Die Kurzgeschichten in diesen Horrormanga behandeln alltägliche Themen, die wir alle kennen. Doch auch, wenn wir mit allem vertraut zu sein scheinen und den Schrecken dahinter auf den ersten Blick nicht erkennen, so trägt doch jeder Gegenstand, jede Konversation, jeder Mensch ein dunkles Geheimnis in sich, das sich eines Tages möglicherweise offenbaren wird. Der nette ältere Herr, die hübsche Frau vom Lieferdienst oder die Beauty-App … Man kann sich nie sicher sein, wo der nächste Albtraum lauert. Das erwartet dich in Band 3: Wieder öffnen sich die Türen zu scheinbar harmlosen Alltagsmomenten – und lassen uns in Abgründe blicken, die näher sind, als wir zugeben wollen. Denn das Unheimliche hat dazugelernt: Es trägt jetzt Make-up, macht sich als KI selbstständig und lässt Traumhochzeiten zum Albtraum werden. Es gibt dir Stilberatung – und nimmt dir alles andere. Nur ein Klick, ein falsches Wort, eine beiläufige Entscheidung … und du wirst Teil von etwas, das du nicht mehr verstehst – und das dich verschlingt. Egal, ob Sekten, Stylings oder Social Media: Nichts bleibt, wie es scheint.
Kurzbewertung
Handlung & Spannung:
Idee & Originalität:
Cover & Aufmachung:
Charaktere & Entwicklung:
Schreibstil & Sprache:
Gesamtbewertung:
Der dritte Band von Furcht: Horrorgeschichten aus dem modernen Japan führt das Konzept der Reihe konsequent fort: zwölf neue Kurzgeschichten greifen moderne gesellschaftliche Themen und Technologien auf und verwandeln sie in beklemmende Horrorszenarien. Wieder sind es scheinbar harmlose Alltagsmomente, die sich als Einfallstore für das Unheimliche entpuppen – sei es ein stylischer Jugendlicher, der sich obsessiv mit seinem Aussehen beschäftigt, eine Fashion-App, die mehr als nur Kleidung liefert, oder ein düsteres Love Hotel, das zwei Freunde in seinen Bann zieht. Auch die Rückkehr ins Büro nach der Pandemie, ein seltsamer Autofahrer oder ein fragwürdiges Ritual werden zur Bühne für das Grauen.
Die Geschichten sind unterschiedlich lang und variieren in ihrer Intensität. Einige Kapitel entfalten eine starke Atmosphäre und bleiben lange im Gedächtnis, andere wirken etwas kryptisch oder bleiben in ihrer Wirkung zurück. Besonders eindrucksvoll ist die Geschichte „Zurück im Büro“, die mit subtiler Beklemmung und bedrückender Realitätsnähe überzeugt. Die Aussage „Arbeiten auch über den Tod hinaus“ bekommt hier eine ganz neue Bedeutung – und sorgt für Gänsehaut.
Inhalt (ohne Spoiler!)
Wie in den vorherigen Bänden steht auch hier nicht eine einzelne Hauptfigur im Mittelpunkt. Jede Geschichte bringt ihre eigene Hauptperson mit, die sich in ihrem Alltag plötzlich mit etwas Unheimlichem konfrontiert sieht. Die Welt ist erneut die moderne japanische Gesellschaft, geprägt von Technik, Medien, Schönheitsidealen und urbanem Leben. Der Horror entsteht oft durch das, was nicht direkt gezeigt wird, durch Andeutungen, subtile Verschiebungen und psychologischen Druck. Die Qualität der Geschichten schwankt, aber die Atmosphäre bleibt durchgehend dicht und stimmungsvoll.
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Kapitel 16: Der Beauty Boy
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Kapitel 17: Die Fashion-Abo-Box
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Kapitel 18: Leerstand
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Kapitel 19: Netzwerk-Marketing
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Kapitel 20: Zurück im Büro
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Kapitel 21: Distanz
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Kapitel 22: Eine moderne urbane Legende
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Kapitel 23: Abdrängen
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Kapitel 24: Fitnessstudio
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Kapitel 25: Die KI-Cosplayerin
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Kapitel 26: Hochzeitsplanung
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Kurzgeschichte ②: Die Telefonzelle
Die Bandbreite der Themen ist erneut groß: von Schönheitswahn über digitale Beratung bis hin zu okkulten YouTube-Kanälen. Einige Geschichten hätten vielleicht ein paar Seiten mehr gebraucht, um ihre volle Wirkung zu entfalten, andere funktionieren gerade durch ihre Kürze. Insgesamt bleibt der Band abwechslungsreich und bietet viele interessante Ansätze.
Meine Meinung
Der Manga liest sich erneut flüssig und atmosphärisch. Der Zeichenstil bleibt düster und klar, die Dialoge sind knapp und effektiv. Der Horror entsteht oft im Kopf des Lesers: durch das, was nicht direkt ausgesprochen wird. Die Geschichten sind kurz, was den Lesefluss angenehm macht, aber manchmal fehlt dadurch die Tiefe, um eine stärkere emotionale Verbindung aufzubauen.
Die Charaktere sind glaubwürdig, auch wenn sie nur kurz begleitet werden. Ihre Reaktionen sind nachvollziehbar, und gerade die alltäglichen Situationen machen den Grusel greifbar. Manche Geschichten wirken wie kleine Skizzen, andere entfalten eine starke psychologische Wirkung. Besonders gelungen sind die Kapitel, die mit subtiler Bedrohung arbeiten und lange nachwirken.
Die Handlung ist abwechslungsreich und greift erneut aktuelle Themen auf. Einige Wendungen sind vorhersehbar, andere überraschen mit originellen Ideen. Die Atmosphäre bleibt durchgehend dicht, und die Zeichnungen tragen viel zur Wirkung bei. Auch wenn nicht jede Geschichte voll überzeugt, bleibt der Band insgesamt stimmig.
Persönlich hätte ich mir gewünscht, dass der Band mit weniger Geschichten auskommt, dafür aber mehr Raum für Tiefe und Entwicklung lässt. Einige Kapitel wirken sehr knapp erzählt und hinterlassen am Ende eher ein Fragezeichen als ein nachhaltiges Gefühl. Gerade bei Themen, die viel Potenzial für psychologischen Horror bieten, wäre etwas mehr erzählerische Entfaltung wünschenswert gewesen. Es fällt auf, dass mit jedem Band die Anzahl der Kapitel steigt, gleichzeitig scheint der Tiefgang einzelner Geschichten darunter zu leiden. Die dichte Atmosphäre bleibt zwar erhalten, doch manche Ideen hätten mit ein paar zusätzlichen Seiten deutlich mehr Wirkung entfalten können.
Fazit
„Furcht: Horrorgeschichten aus dem modernen Japan – Band 3“ bietet erneut atmosphärische Kurzgeschichten, die moderne Themen mit psychologischem Horror verbinden. Die Qualität der Geschichten schwankt, aber die Stimmung bleibt konstant intensiv. Wer Horror mag, der sich langsam entfaltet und auf Alltagsnähe setzt, wird hier wieder fündig. Auch für Neueinsteiger ist der Band geeignet, da die Geschichten unabhängig voneinander funktionieren. Genre-Fans können bedenkenlos zugreifen – und sich auf weitere Bände freuen.