N.C. Night
The Darkside of the Skyline
The First Case
Kurzbewertung
Handlung & Spannung:
gut strukturiert, atmosphärisch
Idee & Originalität:
Vampir vs. Werwolf, übernatürliche Organisation, Dämonen
Cover & Aufmachung:
optisch stark, hochwertig, passend zum Inhalt
Charaktere & Entwicklung:
Luft nach oben, aber es ist erst Band 1
Schreibstil & Sprache:
direkt, unverblühmt, Ich-Erzählerin
Gesamtbewertung:
Vor ein paar Wochen (ok, ich habe aktuell wirklich kein Zeitgefühl mehr) ist mir auf Instagram die Werbung für „The Darkside of the Skyline“ von N.C. Night untergekommen. Da ich die Lektorin kenne, war es kein Zufall – und ich war neugierig genug, mir das Ebook zu kaufen. Urban Fantasy mit Vampiren, Werwölfen und einem Love Triangle in New York? Das klang genau nach meinem Geschmack.
Und ja, ich gebe es gleich zu: Ich bin nach wie vor, egal was im Buch passiert, Team Vampir. Genauer gesagt Team Soren – auch bekannt als Adonis. Nathaniel, es tut mir wirklich leid.
Die Handlung (spoilerfrei)
Chloè Kenneth ist gerade zwanzig geworden und steht kurz vor ihrem 21. Geburtstag, als sie zur neuen Captain ihres Teams bei der geheimen Organisation P.O.S.E. ernannt wird. Wir beginnen dann auch sozusagen direkt bei ihrem ersten Fall, der in einem mysteriösen Angriff eines außer Kontrolle geratenen Werwolfrudels auf einen Vampirclan endet. Schnell stellt sich heraus, dass deutlich mehr dahintersteckt als die übliche Feindschaft zwischen den Arten.
Während Chloè ermittelt, gerät sie zwischen zwei Männer, die unterschiedlicher kaum sein könnten: den gefährlich verführerischen Vampir Soren mit seinen undurchschaubaren Absichten und den dominanten Alpha-Werwolf Nathaniel, der sie schon immer beschützen wollte. Zwischen Klauen, Blut und brodelnder Spannung muss sie nicht nur den Fall lösen, sondern auch ihre eigenen Gefühle neu sortieren.
Die Geschichte wird komplett aus Chloès Ich-Perspektive erzählt und baut eine vielschichtige Welt mit Sippen, Bürokratie und übernatürlichen Strukturen auf. Besonders im letzten Drittel gewinnt die Handlung richtig an Fahrt und endet mit einem runden Abschluss für Band 1 – auch wenn der Epilog einen sofort neugierig auf die Fortsetzung macht und tatsächlich ein wenig mit diesem „nein, das ist jetzt nicht wirklich passiert“-Moment aufhört.
Der Schreibstil
Der Stil ist direkt und unkompliziert. Weil alles aus Chloès Sicht geschrieben ist, wirkt er authentisch und passt gut zu einer jungen Protagonistin, die plötzlich Verantwortung für ein ganzes Team trägt, sich zwischen den Fronten wiederfindet und immer wieder dagegen kämpfen muss, dass gefühlt jeder sie schützen möchte. Manche Passagen, besonders wenn die Welt und ihre Regeln erklärt werden, sind recht ausführlich. Das hat mir beim Lesen manchmal ein wenig das Tempo genommen, aber ich verstehe, dass die Autorin eine solide Grundlage für die Reihe schaffen wollte. Ich weiß, dass ich sonst öfter kritisiere, dass man doch ein paar Seiten hätte ins Worldbuilding hätte investieren können, aber hier weiß ich nun tatsächlich sogar, wie die Kellerräume strukturiert sind. So als kleines Gimmick hätte man bestimmt statt die bekannten Charakterkarten so kleine Umrisse der Gebäude beilegen können. Wie eine Mini-Map in Games. Ich hätte es irgendwie gefeiert.
Die Action-Szenen sind recht gut durchgetaktet und funktionieren auch sehr gut, vor allem, da wir immer Aufhänger für die folgenden Bücher eingeworfen bekommen, wie Chloès aufkommenden neue Kräfte. Tatsächlich gibt’s auch hier und da ein wenig Spice, aber wir rutschen nicht in den Smut-Bereich ab, dass man überlegt, ob man einfach weiter blättert, weil es eine Spur zu viel geworden ist. Sagen wir sowohl bei den Action-Szenen, als auch im intimeren Bereich, ist das Vorspiel ausführlicher als der eigentliche Akt und das hat mir überraschend gut gefallen.
Die Charaktere
Chloè selbst ist sympathisch und vielschichtig. Mit ihrem gemischten Erbe (Vampir-Mutter, Dämonen-Vater), ihrer eher kleinen Statur und der komplizierten Familienkonstellation (Tate als eigentliche Vaterfigur) bringt sie interessante innere Konflikte mit. Sie wächst spürbar in ihre Rolle als Captain hinein, auch wenn sie sich dabei gerne selbst in gefährliche Situationen bringt. Es werden für die folgenden Bände immer wieder Dinge, angeteasert wie beispielsweise ihren leiblichen Vater und die Veränderungen, die auf sie zu kommen, weil natürlich niemand das ganze Pulver direkt im ersten Band verschießt. Trotzdem macht sie eine angenehme Entwicklung durch und man merkt wie sehr sie sich dagegen behaupten muss, dass sie jeder doch noch irgendwie für ein kleines naives Kind hält. (Auch wenn wir ehrlich sind, dass Eltern, egal wie alt wir werden, immer das kleine Kind in uns sehen werden, da wird auch Chloè nicht davon los kommen).
Soren ist genau der Typ Vampir, bei dem man schwach wird: charismatisch, gefährlich und mit einer Präsenz, die von der ersten Begegnung an knistert. Ich bleibe bei meiner Team-Entscheidung.
Nathaniel verkörpert den klassischen starken, beschützenden Alpha. Die Dynamik zwischen den dreien funktioniert gut, auch wenn die Übereinkunft der Dreien in ihrer Dreiecks-Beziehung für mich ein wenig überraschend war und ich noch nicht wirklich sicher bin, wie ich das finden soll.
Und dann haben wir noch das Team, das sich selbst Scooby Gang nennt: Chloès Werwolf-Stiefbruder Caleb, die Banshee Jenna und Dylan. Sie fühlen sich wie echte Freunde an und bringen Humor und Zusammenhalt in die Geschichte. Während Jenna tatsächlich als beste Freundin viel Raum bekommt, hatte ich manchmal das Gefühl, dass Caleb ein wenig hinten herunter rutscht. Da könnte ich mir tatsächlich mehr intimere Gespräche vorstellen, um auch über Chloè selbst mehr zu erfahren. Und Dylan … ich gestehe. Irgendwie war er für mich einfach eine Randnotiz. Vielleicht wird er irgendwann noch relevanter?
Meine Meinung (Achtung, ggf. Spoiler)
Wir haben auf der einen Seite natürlich die Ermittlungen rund um das Rauschmittel „Soul Noctis“ und die bekannte Problematik, dass man seine Nase nicht zu tief in Dinge stecken soll, die einen nichts angehen und dann auf der anderen Seite das Love Triangle.
Was mir stellenweise etwas zu viel war, sind die ausführlichen Erklärungen zur Welt (Bürokratie bei P.O.S.E., Soul Noctis als Rauschmittel, dämonische Essenzen etc.). Man merkt den Willen, eine große, durchdachte Welt aufzubauen, und das ist grundsätzlich positiv. Ein bisschen mehr Vertrauen in den Leser hätte dem Lesefluss aber gutgetan. Als im letzteren Viertel des Buches noch einmal jeweils im Nebensatz Dinge gesagt wurden, die zuvor schon mehrmals besprochen wurden, fand ich das schade (z.B. ‚Caleb, mein Bruder‘). Es hatte dadurch manchmal etwas von den Netflix-Serien, bei denen man davon ausgeht, dass der Zuschauer ohnehin nicht richtig aufpasst und man doch noch einmal besser alles erklärt, bevor jemand abschaltet.
Gegen Ende legt die Geschichte richtig zu – Action, Enthüllungen und emotionale Momente greifen ineinander. Der Epilog ist dann tatsächlich nochmal am Ende dieser „wtf“-Moment, aber ein guter Abschluss und ein super Aufhänger.
ABER: Ich bleibe Team Vampir! So. Und auch nicht anders.
Fazit
„The Darkside of the Skyline“ ist ein solider und unterhaltsamer Auftakt einer neuen Urban-Fantasy-Reihe mit Romantasy-Einschlag. Die Charaktere haben Potenzial, die Welt ist interessant und die Handlung verspricht noch viele spannende Konflikte.
Ich stimme der Bewertung vollkommen zu. Das Buch erfüllt voll und ganz den Zweck zu unterhalten und gegen Ende hin wurde ich durch den Cliffhänger ziemlich traurig da ich unbedingt wissen will wie es weitergeht. Die Entwicklung der Protagonisten ist sehr lebendig geschrieben. Man hat schnell ein Bild zum jeweiligen Charakter. Sie wachsen einen ziemlich schnell ans Herz und was die Love Triangel Sache angeht. Ich selbst kann mich nicht wirklich entscheiden da ich jeden von ihnen passend finde. Muss man daher selber wissen 🙂
Der Cliffhanger ist wirklich einfach etwas fies. Ich dachte: „Ach, das Buch läuft ja schön aus, warten wir doch mal auf Band 2“ und dann … ja. JETZT warte ich auf jeden Fall gespannt auf Band 2! <3