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chosen
Hannah Sternjakob Design, © Lycrow Verlag

Yvonne Wundersee

Chosen by Ice and Snow

Ice and Snow Band 1

Lycrow Verlag (2026) | 328 Seiten
ISBN: 978-3-69028-531-5
Genre: Dark Romance, Fantasy, Engel und Dämonen | Altersempfehlung: ab 16
Klappentext:

Nur der Tod scheint Angelina, einer Angeli des Himmels, vor der grausamen Besessenheit des Höllenfürsten Asmodeus retten zu können. In einem verzweifelten letzten Akt entreißt sie sich seinen Klauen und stürzt sich in die Tiefe. Ein letzter Atemzug in Freiheit. Doch der Aufprall bedeutet nicht ihr Ende.

Der gefürchtete Erzdämon Belinar, Herr des Winterreichs, fängt die sterbende Angeli bevor ihr Körper auf dem Boden zerschmettert wird, und gegen jede Vernunft bringt er sie in seine Festung aus Eis und Schatten. Zwischen klirrenden Stürmen, gequälten Seelen und tödlichen Schneemonstern, lernt Angelina, für sich selbst zu kämpfen … und Belinar zu vertrauen. Vielleicht sogar zu lieben. Doch Asmodeus gibt sein schönstes Spiel nicht auf. Er entfesselt die Schrecken der Hölle, um sie zurückzuholen, und selbst der Himmel erklärt Angelina zur Verräterin. Nun muss sie sich entscheiden: Fliehen, kämpfen, oder sterben.

Kurzbewertung

Handlung & Spannung:
lässt sich wirklich wunderbar an einem Stück durchlesen!

Idee & Originalität:
Engel & Dämonen, Höllenfürsten, Konkurrenzen: Trotzdem geschickt und neu verpackt mit Liebe zum Detail

Cover & Aufmachung:
optisch absolut überzeugend!

Charaktere & Entwicklung:
viel Tiefe, viel Entwicklung, viel Background

Schreibstil & Sprache:
absolut überzeugend

Gesamtbewertung:

Auf der diesjährigen LBM wurde „Chosen by Ice and Snow“ zu einem dieser Glücksgriffe. Nicht nur, dass ich das Buch direkt am Stand durch Autorin signiert mitnehmen durfte; inklusive wunderschöner Charakterkarten und einem Messefarbschnitt. Nein, auch die Geschichte selbst hat mich vom ersten Moment an gepackt: Dämonen, Engel, die Hölle, tierischer Sidekick, bisschen düster und trotzdem „Cosy“.

Die Triggerwarnungen stehen tatsächlich nicht umsonst direkt vorne vor dem ersten Kapitel. Das Buch startet sehr dunkel und enthält bereits zu Beginn Szenen von Folter, Vergewaltigung und physischem sowie psychischem Schmerz. Diese Themen ziehen sich thematisch durch die Handlung und werden nicht nur gerade mal nebenbei angedeutet. Wer damit sensibel ist, sollte das Buch mit Vorsicht genießen oder gegebenenfalls meiden.

Handlung (spoilerfrei)

Angelina ist eine Angeli des Himmels, die in die Fänge des Höllenfürsten Asmodeus geraten ist. Nach grausamer Folter und dem Verlust ihrer Reinheit als Engel sieht sie im Tod den einzigen Ausweg. Sie stürzt sich in die Tiefe, doch statt zu zerschmettern, wird sie vom gefürchteten Belinar, dem Herrn des nördlichen Winterreichs, aufgefangen und in seine eisige Festung gebracht.

Inmitten klirrender Stürme, gequälter Seelen und tödlicher Schneemonster beginnt für Angelina ein neues Kapitel. Sie muss lernen, für sich selbst zu kämpfen und, gegen jede Vernunft, Belinar zu vertrauen. Während Asmodeus alles daransetzt, sein „Spielzeug“ zurückzuholen, erklärt der Himmel Angelina nicht zurück nehmen zu wollen. Zwischen Hölle und Himmel gefangen, muss sie sich entscheiden: fliehen, kämpfen oder sterben.

Charaktere und deren Entwicklung

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Ich-Perspektive von Angelina und Belinar erzählt, was beiden Figuren große Tiefe verleiht.

Angelina startet als schwer traumatisierter Engel. Das Erlebte sitzt so tief, dass sie nach ihrer Rettung bei jeder kleinsten Irritation sofort annimmt, sie habe etwas falsch gemacht und Belinar werde sie nun bestrafen. Diese Reaktionen zeigen eindrücklich, wie stark das Trauma noch in ihr wirkt. Im Verlauf der Geschichte entwickelt sie jedoch spürbar an Mut und innerer Stärke. Sie lernt, sich ihren Ängsten zu stellen, ihre Gefühle zuzulassen und schließlich auch die Macht in sich selbst zu erkennen, besonders deutlich wird dies in den Trainingsszenen, in denen ihre Angst sie stärker werden lässt. Ihre Entwicklung von der gebrochenen Angeli hin zu einer selbstbewussteren und kämpferischen Figur ist einer der stärksten Aspekte des Buches.

Belinar hingegen ist als Höllenfürst eine überraschend nuancierte Figur. Er erfüllt seine Pflicht gegenüber den Seelen streng nach den Regeln der Hölle, möchte sie jedoch nicht unnötig leiden lassen. Er ist stark von seinen Gefühlen geprägt, auch wenn er diese anfangs nicht zulassen will. Besonders sein innerer Konflikt ist packend: Er möchte Angelina zurück in den Himmel bringen, um einen Krieg zu verhindern, fürchtet aber gleichzeitig, dass genau diese Rückkehr erst recht zu Krieg führen könnte. Gleichzeitig wächst in ihm der Wunsch, sie bei sich zu behalten. Er ist tief geprägt von den Verlusten, die er bereits hatte hinnehmen müssen und hat sein Herz in Eis eingefroren, um sich selbst schützen zu können.

Die Nebencharaktere sind ebenfalls gut ausgearbeitet. Besonders hervorheben möchte ich Cosy, die freche Eisracoon-Dame, die mit ihrer vorlauten Art schnell zur besten Freundin von Angelina wird. Konstantin, Belinars einziger enger Freund, bringt mit seiner direkten und ehrlichen Art wichtige Impulse in die Geschichte und liefert zugleich spannenden Background zur Welt, zu sich selbst und zu Belinar. Selbst kleinere Figuren wie Magnus, der den Seelen Zeichensprache beibringt, erhalten eine klare Funktion und machen die Welt lebendig.

Schreibstil & Weltbau

Der Schreibstil der Autorin ist bildhaft, atmosphärisch und angenehm zu lesen. Sie schafft es hervorragend, das Winterreich Belinars als zugleich wunderschön und bedrohlich darzustellen. Besonders gelungen ist der Kontrast zwischen der kalten, düsteren Atmosphäre der Hölle und den leichten, überspitzten humorvollen Momenten, vor allem durch die Eisracoons, die als Plage im Schloss wüten.

Das Worldbuilding ist ausgewogen und stimmig. Man erhält genau die richtige Menge an Informationen: genug, um sich die Welt lebendig vorstellen zu können, ohne jemals überfordert zu werden. Die vier Höllenfürsten repräsentieren offenbar die Himmelsrichtungen, wobei Belinars nördliches Reich alles mit sich bringt, was Schnee und Eis zu bieten hat. Auch die Regeln der Seelen-Erlösung und die unterschiedlichen Strukturen der Höllenreiche werden schlüssig eingeführt.

Meinung (ggf. Spoiler)

„Chosen by Ice and Snow“ hat mich insgesamt sehr überzeugt. Die langsame, emotionale Annäherung zwischen Angelina und Belinar, die Themen von Trauma, Heilung und Vertrauen sowie die ungewöhnliche Liebesgeschichte zwischen einem gebrochenen Engel und einem Höllenfürsten machen das Buch zu einem starken Dark-Romantasy-Auftakt. Besonders Belinars vielschichtiger Charakter, ein Dämon, der eigentlich gar nicht so „dämonisch“ sein will, hat mir gut gefallen.

Ein kleiner Kritikpunkt bleibt: An manchen Stellen wirkte Angelinas anhaltende Angst und die wiederkehrende Annahme, sie habe etwas falsch gemacht, für meinen Geschmack etwas zu repetitiv, auch wenn das Trauma dahinter absolut nachvollziehbar ist. Hier hätte ich mir an wenigen Stellen etwas mehr Fortschritt gewünscht. Aber … zur Hölle … das ist schon Kritik auf sehr hohem Niveau.

Fazit

„Chosen by Ice and Snow“ ist ein atmosphärischer, emotionaler und gut geschriebener Einstieg in eine Dark Fantasy Romance-Reihe. Mit starken Charakterentwicklungen, einem stimmigen Weltbau und einer Liebesgeschichte vor düsterem Hintergrund weiß das Buch zu überzeugen. Das Ende ist traurig und lässt einen mit einer Mischung aus Wehmut und Hoffnung zurück – umso besser, dass Band 2 bereits im Mai erscheint.

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